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September 2001
Holland in Not (Teil 2) Immer noch mit meiner Arbeit in Holland sitzend, fällt mir auf einmal brennend heiß ein, dass ich die Miete und das Stromgeld für den September zu überweisen vergessen habe. Ich rufe Lars an, um ihn zu bitten, ob er mir aus meiner Notlage heraus helfen kann. Lars: "Ja, hallo?" Ich: "Hallo Lars, ich rufe gerade von meinem Handy aus Holland an, verstehst du mich?" Lars: "Klar versteh ich dich. Ich spreche doch auch Deutsch, genau wie du!" Wow, Lars spontaner Ausflug in die Welt des Humor hat mir erst mal die Sprache verschlagen. Nach kurzem Luft holen fange ich dann das Gespräch noch einmal an und schildere ihm mein Problem. Er erklärt sich auf der Stelle bereit, das Geld für mich vorzustrecken, was ich ihm dann auch herzlich danke. Gegen seine Hilfsbereitschaft ist wirklich nichts einzuwenden. Wo ich ihn dann schon mal am Hörer habe, frage ich ihn dann auch gleich, wie er zu Bernds Vorschlag steht, Sonja aus der WG zu mobben. Er sagt, dass es ihm eigentlich egal ist, wer in der WG wohnt, da er sich ja im Moment doch mehr bei seiner Freundin aufhält, als bei uns. Von Bernds Bekannter, die sich für Sonjas Zimmer interessiert hat und die ganzen Aktionen die im Vorfeld abgelaufen sind weiß Lars natürlich nichts und er ist sehr überrascht, als ich ihm davon erzähle. Am Ende des Gesprächs, habe ich Lars dann glaube ich so weit gegen Bernd aufgehetzt, dass er sich das mit seiner Unterschrift noch einmal ernsthaft überlegen will. Tja Bernd! Und schon steht es wieder 3:1!
Plan B Gerade aus dem Urlaub zu Hause angekommen, setzte ich mich auf die Keramik um mich drei Pfund Frikandeln incl. Pommes spezial und einigen Litern Grolsch zu entledigen, da fällt mir sofort der neue Putzplan auf, der von innen an der Toilettentür klebt. Dieser Plan kann nur Lars Feder bzw. Drucker entsprungen sein.
Heissa! Da scheint sich ja wirklich jemand nicht mit den Hygienestandarts eines anderen Mitbewohner einverstanden zu sein. Hoffentlich erreicht diese Botschaft auch den Richtigen. Mir fallen da ganz spontan auch noch einige Punkte ein, die ich vielleicht in naher Zukunft noch ergänzen werde. Wie zum Beispiel: Maßnahmen im lebenspraktischen Bereich - nach stehend Pinkeln, Toilette sauber gemacht? - nach dem Duschen, Schamhaare weggespült ? - nach Zähneputzen, Speichel-Zahnpastamischung vom Spiegel entfernt? - auf Toilette gewesen, Wurst richtig abgezogen? - nach Blick in den Spiegel, an persönliche Entsorgung gedacht?
Aber ich glaube, das geht jetzt wirklich zu weit.
Talking in circles Als ich gerade nur in Unterhose bekleidet auf dem Boden in meinem Zimmer sitze, und versuche mir mit der elektrischen Haarschneidemaschine eine praktische Kurzhaarfrisur zu verpassen, klopft es an meiner Tür. Ich fordere zum herein kommen auf und prompt steht Bernd im Rahmen. Bernd: "Du, Albert, hast du jetzt mal gerade etwas Zeit?" Ich sitze immer noch mit laufender Maschine auf dem Boden und sehe mit den vereinzelten Haarpüscheln auf dem Kopf aus wie ein Strahlenopfer nach einer Reaktorkatastrophe. Ich: "Hallo Bernd, sehe ich gerade aus, als ob ich Zeit hätte?" Bernd: "Ich weiß nicht so genau? Hast du denn Zeit?" Ich (augenrollend): "Ich komm gleich bei dir vorbei, wenn ich fertig bin, ok?" Ich kann mir schon fast denken, worum es geht. Nachdem Lars seine Mikrowelle zu seiner Freundin geschafft hat, sah ich gestern, dass Bernd sich ein nagelneues Exemplar angeschafft hat. Es hätte mich auch gewundert, wenn er dies nicht getan hätte, denn sonst würde er ja in kürzester Zeit verhungern (siehe Febr.2000, Febr.2001, Mai 2001). Nach dem Duschen setzte ich mich also zu Bernd und gehe direkt in die Offensive. Ich: "Na, Bernd, lass mich mal meine hellseherischen Fähigkeiten austesten. Du hast eine neue Mikrowelle gekauft und willst jetzt, dass ich mich daran beteilige, stimmts?" Bernd: "Nein, die Mikrowelle hab ich zwar neu gekauft, aber die stelle ich so zur Verfügung!" Ha, es stimmt mal wieder, Angriff ist die beste Verteidigung. Ich: "Und, was gibt es dann Wichtiges zu besprechen?" Bernd: "Ich wollte mit dir noch einmal über Sonja sprechen!" Ich: "Ich hab dir doch schon gesagt, dass ich keinen Kündigungsvertrag unterschreiben werde!" Bernd: "Warum denn nicht?" Ich: "Warum sollte ich? Ich komme mit Sonja blendend klar, und wer weiß, was du uns für eine Nuss hier einpflanzt, wenn Sonja ausziehen sollte." Danach erzählt mir Bernd lang und breit, was ihn so alles an Sonja stört. Wie zum Beispiel, dass sie nicht richtig sauber macht, dass sie nicht mehr grüßt, immer ihren Spül stehen lässt, nie den Müll runter bringt, die Türen knallt und pampig zu ihm ist, wenn er sie anspricht. Ich sage ihm, dass ich das in dem Maße noch nie so gesehen habe und dass die Eigenschaften, die er gerade auf gezählt hat eigentlich auf ihn zutreffen. Er überhört meine Äußerung und geht direkt wieder zu der Geschichte mit der laufenden Waschmaschine, die nicht lief, über. Diesmal behauptet er sogar, dass Sonja die Maschine ohne Wäsche hat laufen lassen, und dass nur um ihn zu ärgern. Ich sage ihm, dass das alles nur Vorwand ist um seine Bekannte in die WG zu schleusen. Bernd: "Und außerdem ist Sonja zu jung für diese WG. Es wäre wirklich besser für sie, wenn sie mit jemanden in ihrem Alter zusammen ziehen würde. Ich glaube, dass sie die ganze Situation hier zu persönlich nimmt und sich damit nur selber belastet. Sie fühlt sich immer direkt angegriffen, wenn man ihr was sagt." Ich: "Würde ich aber auch. Schließlich macht der Ton die Musik. Und ich glaube nicht, dass du immer den richtigen findest. Sag mal Bernd, wie sieht das eigentlich aus? Wann willst du denn eigentlich hier ausziehen. Wenn ich mit meinem Studium fertig und so alt wie du wäre, würden mich aber keine 30 Pferde mehr hier halten!" Bernd (schnippig): "Ich sehe noch überhaupt keinen Grund dafür hier aus zu ziehen!" Ich: "Tja, scheint ja was zu haben, mit knapp unter vierzig als Vollverdiener noch keine eigene Wohnung zu haben. Wenn ich fertig bin, bin ich auf jeden Fall sofort hier weg. Das Leben in einer WG hab ich mir im Vorfeld doch irgendwie ganz anders vorgestellt!" Bernd: "Wie denn?" Ich: "Ein bisschen interessanter und netter!" Mittlerweile hab ich auch meinen Kaffee ausgetrunken und sehe überhaupt keinen Grund mehr, weiter zu reden, da sich das Gespräch nur noch im Kreis dreht und Bernd auch keine Fehler selber eingesteht, die zu dieser Situation geführt haben. Ich sage ihm noch beim rausgehen, dass ich auch noch einmal mit Sonja sprechen werde und dass man sich ja noch ein mal zu einer großen Gesprächsrunde treffen kann um die Probleme zu erörtern. Er sieht dafür jedoch keinen Grund, da schließlich nur Sonja sich zu ändern hat. Ich glaube, dass ich doch noch mal in die "Annonce" schauen muss, um zu sehen, ob nicht irgendwo ein preiswertes Appartment frei ist, denn ich glaube nicht, dass wir Bernd in naher Zukunft los werden.
Der Melittamann Manche Dinge muss man glaube ich gar nicht verstehen. Aber es mach immer wieder Spaß, sich trotzdem darüber ein paar Gedanken zu machen und sie ein bisschen weiter auszuspinnen. Als ich gerade so im vorbei gehen in unseren Altpapierbehälter schaue, strahlt mich so mir nichts, dir nichts die Verpackung eines zwei Tassen Minikaffeeautomaten an, den sich Bernd wohl gestern beim Lidl oder so zu gelegt haben muss. Da frage ich mich doch, braucht man so was? Es stehen doch schließlich eine normale Kaffeemaschine, eine elektrische und eine manuelle Espressomaschine in der Küche. Gut, mit den Espressomaschinen kann man jeweils nur eine Tasse Kaffee aufbrühen. Da sieht man natürlich alt aus, wenn man Besuch bekommt und dem Gegenüber auch ein heißes Kaffeebohnenaufgussgetränk anbieten möchte. Es besteht dann natürlich die Möglichkeit, die konventionelle Kaffeemaschine zu benutzen und sie mit den Zutaten für zwei Tassen Kaffee zu bestücken. Das Problem was aber nun besteht ist, dass der Kaffeefilter für die herkömmliche Maschine eigentlich für acht Tassen koffeinhaltiges Heißgetränk ausgelegt ist. Es müssten nun also 6/8 Kaffeefilter verschwendet werden. Vielleicht hat sich Bernd ja gedacht, dass wenn er bei jedem Brühvorgang die 6/8 Kaffeefilter spart, das Geld für den neuen Kaffeeautomaten irgendwann wieder raus hat. Ich denke, nach ca. 47.300 Tassen Kaffee, oder so sollte es dann so weit sein. Aber vielleicht denke ich ja nur so wirtschaftlich. Möglich ist natürlich auch, dass es einfach nur bei seinem Besuch angeben will. So frei nach dem Motto, "Na Baby, hab ich mir da nicht einen scharfen blauen zwei Tassen Plastikkaffeeautomaten aus dem Lidl zu gelegt? Der macht genau zwei Tassen Kaffee für die dafür vorgesehenen Keramikbecher, die im Lieferumfang mit enthalten waren. Einen für dich und einen für mich. Und jetzt lass uns poppen!" Na ja, ist eigentlich auch sehr abwegig, da ich davon ausgehe, dass das gegen Bernds enthaltsame Einstellung spricht. Obwohl, dann dürfte er ja eigentlich auch keinen Kaffee trinken. Was macht er denn dann mit diesem Ding? Mhh? Ich weiß es! Er benutzt es als neue Hardwarekomponente für seinen PC. Am USB-Port kann man sich mit diesem Gerät in höchster Geschwindigkeit einen brennen. Einen was auch immer. Vielleicht `ne heiße Milch mit Honig, oder einen virtuellen grünen Tee, oder so. Oder er schmeißt damit nach frechen Kindern oder bellenden Hunden. Möglich ist natürlich auch, dass Bernd eine neue Sammelleidenschaft entdeckt hat. Kaffeemaschinen aus allen herren Einkaufszentren, in allen Größen und Farben. Ehrlich gesagt hab ich aber keine Ahnung. Meinen Kaffee mache ich mir auf jeden Fall in der herkömmlichen alten Kaffeemaschine, auch wenn ich jedes Mal 6/8 des Kaffeefilters verschwende. Was kostet schon die Welt?
Oskar aus der Tonne Es wird wirklich wieder Zeit, dass ich morgen für sechs Nächte arbeiten gehe. Ich wühle nämlich im Moment definitiv zuviel im Müll der anderen Leute rum. Als ich gerade so auf dem Weg zur Küche bin, um mir meinen Guten-Morgen-lieber-Albi-Kaffee aufzuschütten (Shit, die Kaffeefilter sind leer :-)), schreien mich förmlich diese "BIZZ - Capital", "Maxim" die Livestyle-Illustrierte für den Mann und ein lokales Szenemagazin aus dem Papiermüll an. Da sich sonst im Moment niemand hier aufhält, können diese literarischen Nachlässe eigentlich nur von Bernd stammen. Da frag ich mich doch wieder, was will der Kerl mit diesen Zeitschriften, wo er doch sonst, egal wo er lang läuft, einen bieder riechenden Fleck hinterlässt? Wie passt denn das zusammen? "Maxim" und der "Kirchenbote", "Schnüss" und "die Tagespost", oder "BIZZ - Capital" und der "OTTO - Katalog". Das wäre genau so, als würde ich auf auf einmal meine "Motorsport aktuell" oder den "Kicker" in die Ecke pfeffern und anfangen "Mens health" oder "den Pfarrbrief" zu lesen. Eigentlich hab ich gar nicht im Müll rumgewühlt. Ich glaube, "Pinky, der rosa Elefant" aus Barney Gumbles Delirium, hätte nicht weniger Aufmerksamkeit bei mir erregt, wäre er in diesem Moment durch unseren Flur getrabt. Auf jeden Fall haben diese interessanten Fundstücke mal wieder ordentlich meine Phantasie angeregt. Welche Informationen wollte Bernd diesen Zeitschriften entnehmen? Mal kurz überlegen!
So, heute Nacht werde ich zwar nicht schlafen können, aus Angst demnächst in die Hölle zu müssen, aber was raus muss, muss einfach raus. Nur so kann ich, glaube ich, meinen Frust in dieser Hütte, ein klein wenig abbauen. Bis die Tage, Euer Albi!
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