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Oktober 2001
Licht am Ende des Tunnels So, es ist so weit. Heute Nachmittag hab ich mich vor den Rechner gesetzt und Annoncen in sämtlichen Kleinanzeigenblättchen aus meiner Umgebung aufgegeben. Ich befinde mich also nun in akuter Wohnungssuche. Wie es dazu kommt? Letzte Woche saß ich mit Ramon, einem Bekannten aus Köln, mit dem ich zusammen meine Diplomarbeit schreiben werde, bei schönstem Sonnenschein zu einem kühlen Blonden zusammen und wir überlegten uns, dass es doch recht sinnvoll wäre zusammen zu ziehen, da er ebenfalls auf der Suche nach einer neuen Bleibe ist. Außerdem komme ich langsam in Erklärungsnot, wenn ich die neusten Geschichten zum Besten gebe und ich dann von den Leuten gefragt werde warum ich denn nicht langsam aber sicher mal aus dieser Klapse ausziehe. Ersparnisgründe und Faulheit ziehen da als Erklärung schon lange nicht mehr. Und um nicht endgültig ins gesellschaftliche Abseits zu geraten habe ich mich daher endlich doch zu diesem Schritt entschlossen. Ich meine mittlerweile auch selber, dass knapp zwei Jahre Wohnheim für große psychotische Kinder voll ausreichen. Eine gestrige Berndaktion hat mich zu dieser Überlegung zusätzlich noch bestärkt. Nach meinem Nachtdienst bin ich cirka um 7:30 Uhr zu Hause eingetroffen und habe vernommen, dass Bernd eine viertel Stunde später aufgestanden ist. Es war also davon auszugehen, dass er mein frühes Erscheinen mitbekommen hat und dem entsprechend Rücksicht auf meine Erholung nimmt, da er weiß, dass wenn ich um diese Uhrzeit erscheine, gerade Dienstschluss hatte. Bis 13:45 Uhr hat er dies dann auch tatsächlich geschafft. Just um diese Zeit meinte er dann auf einmal, die Wohnung putzen zu müssen. Natürlich beginnt man bei seinem Putzdienst immer zuerst damit, den Flur zu saugen. Und natürlich fängt man dann auch immer vor meiner Zimmertür, die am äußersten Ende des Flurs liegt, da dies ja der strategisch günstigste Punkt ist, um sich zu seiner eigenen Zimmertür, die am anderen Ende liegt, vorzuarbeiten. Ist ja klar. Natürlich muss man dann auch immer möglichst heftig mit dem Saugrüssel vor die Zimmertür stoßen, da nur so der Teppich richtig sauber wird und jeder Anwesende mitbekommt, dass man putzt. Egal ob man schläft oder nicht. Erst wenn man den Flur fertig hat, beschäftigt man sich mit seinem eigenen Zimmer. Die Tür bleibt dann aber natürlich auch geöffnet. Es saugt sich in der Regel auch doppelt so gut, wenn im Hintergrund, bei voller Lautstärke "Stairways to heaven" von Led Zeppelin läuft. Das weiß doch jeder. So weit so gut. Völlig übernächtig und mit einem Gesicht, dass einen chinesischen Faltenhund vor Neid grün werden lassen würde, machte ich mir dann in der Küche einen schönen starken Kaffee und grunzte Bernd ein finsteres "Mahlzeit" im vorbeigehen zu. Er legte darauf hin ganz spontan eine überraschte Miene auf und fragte: "Hast du etwa noch geschlafen?" Ich antwortete: "Ja!" und verzog mich wieder auf mein Zimmer. Was für eine scheinheilige Pussi. Aber ich habe mich gerächt. Auf der Toilette habe ich nämlich schon den vollen Putzeimer gesehen, der darauf schließen ließ, dass Bernd sich dann als nächstes vorgenommen hatte, dort zu wischen. Da er aber noch voll damit beschäftigt war sein Zimmer zu saugen und es anderthalb Kilo gut verdauter Krautsalat überhaupt nicht einsahen in meinem Enddarm zu verharren, bis Bernd fertig war, stellte ich, spontan wie ich nun mal bin, den Eimer bei Seite und entledigte mich kurzerhand des rumorenden Störenfrieds. Ha, das hat vielleicht in der Nase und in den Augen gebrannt. Zufrieden mit meinem Tagwerk, und froh meinen Seelenfrieden wieder gefunden zu haben, machte ich mich kurz darauf wieder auf den Weg zur Arbeit. Den heutigen Morgen übernachtete ich dann doch bei meinen Eltern, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, an Bernd eine körperliche Züchtigung vorzunehmen, falls er heute zufällig vor hatte, am frühen Morgen im Flur Raketentests durchzuführen. PS: Jetzt noch was ganz anderes. Wo ich gerade so das Wort "Raketentest" noch einmal lese, fällt mir wieder die e-bay Auktion ein, auf die mich gestern ein Kumpel aufmerksam gemacht hat. Da versucht wirklich jemand einen flugtüchtigen "Cobra" Kampfhubschrauber zu versteigern. Das Startgebot liegt bei 800.000 US $. Im Anbetracht der Tatsache, dass der Neupreis laut Angabe bei 9.000.000 US $ liegt, finde ich, das es sich hier wirklich um ein Schnäppchen handelt. Da wird einem langsam klar, dass die Welt echt von einer Menge Irren besiedelt ist. Und wir leben mitten drin!
Wohnungssuche Gestern Nachmittag war ich mit Ramon unterwegs, in Köln ein paar Wohnungen für unsere neue 2er WG anschauen, die ein paar Tage zuvor als Annonce in einer lokalen Tageszeitung feil geboten wurden. Das ist doch immer wieder ein prickelndes Erlebnis. Man stellt sich eine halbe Stunde zu früh, mit fünfzig anderen, zum Teil äußerst finster dreinschauenden Mitmenschen, die wahrscheinlich in jedem Anwesenden einen wohnungsstehlenden Feind sehen und der daher unbedingt mit bösen Blicken unschädlich gemacht werden muss, vor eine verschlossene Haustür, um sich der Willkür des Maklers, Vermieters, Vormieters, ect. auszuliefern. Kommt dieser dann endlich um die Ecke gedackelt, stürzt sich die komplette Brut ihm direkt hinterher, aus Angst, dass die Wohnung ja gleich ihre Tasche packen könnte, um Feierabend zu machen und nach Hause zu seiner Maisonette und seinen kleinen Appartements zu fahren. Ist man dann in der Wohnung angekommen, die sich zu 99,9% immer im zweiten Stock oder höher befindet, fragt man sich jedes mal, ob dies ein neuer Versuch für den Weltrekord: "Wie viele verschwitzte Menschen passen gleichzeitig in einen 2x3 Meter großen Flur?" ist. Außerdem fragt man sich auch, wie es vorgestern der Mensch am anderen Ende des Telefons wieder geschafft hat, einen zu verarschen. Man hat gefragt: "Ist die Wohnung denn auch so geschnitten, dass man sie für eine WG verwenden kann?" Man hat darauf hin gehört: "Aber sicher doch, die Wohnung ist sehr schön geschnitten. Mit zwei gleich großen Räumen und einer wunderschönen hellen Küche. Schauen sie sich sie ruhig einmal an, sie wird ihnen garantiert gefallen!" Nach 35 Kilometern Fahrt, 30 Minuten Wartezeit und einer sommerschlussverkaufsreifen Rangelei, hat man dann gesehen: Eine schöne helle Wohnung mit zwei gleichgroßen und hohen Räumen, einer tollen Küche, einem frisch gefliestem Bad und dazu noch einem bezahlbaren Preis. Aber wie zum Teufel soll man eine ganz normale Wohngemeinschaft in einer Wohnung mit zwei Durchgangszimmern gründen? Können die Leute den nicht für eine Mark nachdenken? Ist das denn zu viel verlangt? Logistisch ist natürlich alles Möglich. Ich stell mir gerade nur die Szene vor, die sich Sonntag morgens dann abspielen könnte. Rummmms, die Tür fliegt auf. Klack, das Licht geht an. Einer liegt gerade mit seiner neusten Bekanntschaft in eindeutiger Stellung irgendwo im Zimmer rum, um Körperflüssigkeiten auszutauschen. Der andere steht mit einer mordsmäßigen Morgenlatte im Türrahmen und sagt: "Lasst euch nicht stören, ich muss nur mal grad auf Klo. Tut so als wäre ich überhaupt nicht da! Ich brauch nur zwei Minuten!" That's life! Da muss man mit leben, wenn man in einer WG wohnt. Kompromisse eingehen ist da gefragt. Ich hab ja die letzten zwei Jahre schon ähnliches mitgemacht. Mich würde das überhaupt nicht stören. Muss aber trotzdem nicht unbedingt nötig sein. Die zweite Wohnung die wir uns an diesem Nachmittag angeschaut hatten, sollte eine ungünstig aufgeteilte Zweizimmerwohnung sein, die sich dann aber als 1 Zimmerappartement, mit einem 8 qm großen Abstellraum, heraus stellte. Von dort aus nahm uns dann eine nette junge Dame in ihrem Wagen zu einem weiteren Besichtigungstermin mit. Es stellte sich aber sehr schnell heraus, dass in dieser Wohnung nur zwei Zimmer frei wurden, und auch vorzugsweise nur jüngere Damen in den engeren Kreis der Auswahl kamen, da der Hauptmieter gerade dabei war sich von seiner Freundin zu trennen und wohl vor hatte, diese Lücke möglichst schnell zu stopfen. Wie auch immer man das jetzt verstehen mag. Das Problem bei der Sache war aber, dass die Freundin sich immer noch in dieser Wohnung befand und wohl überhaupt nicht so erfreut über den regen Besuch war, der fast ausschließlich aus wohnungsinteressierten jungen Damen bestand. Dementsprechend war auch die Stimmung in dieser Wohnung und wir verzogen uns auch recht schnell, da wir uns ja eh nur für eine eigene Wohnung interessiert hatten. Tja, das war nun der erste Versuch eine neue Wohnung zu finden, und ich muss zugeben, dass ich es trotz der Erfolglosigkeit, äußerst amüsant fand, mich unter dieses schräge Völkchen der Wohnungssucher und Wohnungsbieter zu mischen. Ich habe mir sogar überlegt, einfach so mal mein Zimmer in der Zeitung anzubieten. Dann ist endlich mal was los hier. Oder besser noch, ich biete Bernds Zimmer zur Vermietung an und schicke ihm die Menschen dann Massenweise aufs Zimmer während ich dann Fotos von seinem erstaunten Gesicht mache. Oder ich stelle mich jeden Tag bei irgendwelchen x-beliebigen WGs vor, um mich bei Vorstellungsterminen mit Selbstgekochtem und Kaffee verwöhnen zu lassen und mal endlich wieder unter Leute zu kommen.
Zum Mäuse melken! Was habe ich in meinem Leben bloß verkehrt gemacht, dass mir immer wieder so ein Mist passiert? Ich respektiere meine Eltern, schlage keine Rentner und verfüttere keine süßen Dackelwelpen an böse Süßwasserräuber. Und trotzdem trifft es heute wieder mich! Nachdem ich gerade meinen allwöchentlich wiederkehrenden Allgemeinraumreinigungsverpflichtungen nachgekommen bin, bei denen ich wie immer in höchster Präzision die Keramik sauber geleckt, die Flurdecke mit der Machete von Spinnweben befreit und den Küchenboden mit meiner eigenen (oder war es doch nicht meine?) Zahnbürste blank geschrubbt habe, setzte ich noch eine Maschine Kochwäsche auf, um die Aufnehmer, die Schwämme und den Badewannenvorleger zu desinfizieren, die seit circa einem Jahr ungereinigt in Gebrauch sind. Wozu sollen die denn auch jedes mal nach dem Gebrauch gewaschen werden? Es ist doch genug Meister Propper im Putzwasser! Jerk! Auf jeden Fall sahen die Teile wieder so aus und vor allem rochen sie so, als könnten sie wieder eine Generalreinigung vertragen. Trotz eines unguten Gefühls, das in mir aufkam, als ich mich der Waschmaschine näherte (wie jedes Mal, weil es sich nämlich um einen Hoover Waschautomaten von ca. 1960 oder so handelt. Also dem Modell das kurz nach dem mit dem Waschbrett, dem Fluss und der separaten Wäschemangel ausgeliefert wurde ;-)), drehte ich das Wasser an, stellte sie auf 95° , drückte auf Start und überließ sie für gut neunzig Minuten ihrem Schicksal. Als ich mir nach einer guten Stunde ein kühles Erfrischungsgetränk aus dem Kühlschrank angelte, lief die Maschine seelenruhig im Klarspülgang und meine Sorgen lösten sich langsam in Wohlgefallen auf. Weitere dreißig Minuten später, als ich das leere Glas in die Spüle stellen wollte, holte mich ein Wasseraufkommen auf dem Küchenboden, von der Größe des Bodensees, wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. "Das Fusselsieb!" schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf. Und was noch viel schlimmer war, ich hatte meine Gummistiefel, das Ölzeug und mein Ruderboot noch im Springflutrettungsshop stehen. Also begann ich barfuss den frisch gereinigten Küchenboden von dieser Flüssigkeit zu befreien, die wie üble Diarrhö mit Milchschaum aussah und einen leichten Hauch von Pfirsichduft in sich trug. Als ich nach einer halben Stunde den Boden wieder auf Hochglanz gebracht hatte, machte ich mich daran, mir das Fusselsieb etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Und da steckte natürlich auch wieder der Grund , der die Waschmaschine zum kollabieren brachte. Ein altes Tempo, das mit einem poppigem Zewa-Softie und einer jungen Gruppe Scham- bzw. Kopfhaare eine unzertrennliche Verbindung eingegangen ist. Ich hasse es, diesen ekligen Schleim aus den Löchern zu pulen. Das hat so in etwa den selben Unterhaltungswert, wie den Badewannenabfluss zu reinigen, der seit Wochen nicht mehr richtig abläuft. Egal! Das war nämlich hoffentlich mein letztes Putzen in diesem Rattenloch. Denn wenn ich in acht Wochen immer noch hier wohnen sollte, bin ich es schließlich selber Schuld. Aber man sollte nicht unterschätzen, wie schwer es ist, in Köln eine anständige Wohnung zu finden. Vor allem, wenn in der "Suche Wohnung" Rubrik der Annonce immer wieder solche Anzeigen zu lesen sind: "Köln, alleinstehender Dipl.-Ing. mit festem Einkommen, (28 J.), ruhig, NR, keine Haustiere, sucht 2-3 Zimmerwohnung, ca. 75 qm, bis DM 1.800,-- ." Hey, das ist aber clever! Da überlegt natürlich kein Vermieter zweimal, der seine leere Wohnung in dieser Größe eigentlich für 1.300 Mark oder billiger vermieten wollte, ob er da anrufen soll. Und wenn er dann noch ein paar fiktive Mitbewerber für die Wohnung ins Spiel bringt, springt auch noch ein netter kleiner Riese an Schmiergeld bei raus. Oder der: "Studentin (19), Nichtraucherin aus Akademikerfamilie sucht WG-Zimmer oder kleines Appartement, Elternbürgschaft vorhanden". So eine Anzeige ist doch fast das selbe wie ein Blankoscheck. Anrufen, den Mietpreis eintragen und abkassieren. Da hat man doch als verlauster und kettenrauchender Bettelstudent im Rentenalter keine Schnitte mehr, sich dieses Dach über den Kopf zu ziehen. Und da fragt man sich immer wieder, warum das Mietpreisniveau in Großstädten so hoch ist. Weil die Leute einfach alles zahlen! 500,-- DM für ein 11qm Studentenzimmer mit Dachschräge + 3 Monatsmieten Kaution? Kein Problem für viele Erstsemester. Der Papa zahlt es doch locker aus der Portokasse. Und der Sohnemann braucht sich in der S-Bahn nicht jeden Tag den Hintern eckig zu sitzen, wenn er mal kurz zur Uni muss, um im "BWL für Anfänger" Kurs das Gesetz von Angebot und Nachfrage zu lernen. Aber vielleicht gibt es ja irgendwo noch den Vermieter, der nicht soviel Wert auf ein geregeltes hohes Einkommen und frische Luft legt, sondern sich lieber zwei wild um sich urinierende Vandalen mit Fußpilz und Heavy Metal in seine Wohnung holt. Man darf die Hoffnung halt nie aufgeben.
Mhhhh!? 53 qm Zweizimmerwohnung, nette Lage und unter 1000 Mack "all inclusive" im Monat. Das hört sich doch schon mal verdammt gesund an. Davon mal abgesehen, dass der 80 jährige Vermieter, der mit seiner Frau in dem selben Haus wohnt, Ramon und mich in einem etwas abgerissenem Outfit, unrasiert und mit Nasenring empfing (wir, nicht er!) und uns zu guter Letzt noch für ein schwules Pärchen hielt ("Ha ha, zwei Männer hatten wir ja noch nie im Haus wohnen, aber man ist ja in meinem Alter noch für alles offen.), haben wir eigentlich ein ganz gutes Gefühl, am Montag die Zusage für den Einzug am 15. November zu erhalten. Als der gute Mann dann noch von den Nachbarn zu reden anfing, war es mit meiner Ruhe ganz vorbei. "Hier in der Nachbarwohnung lebt eine alleinstehende, junge und äußerst hübsche Spanierin in ihrem Alter, und darunter leben in einer etwas größeren Dreizimmerwohnung, drei junge Frauen in einer Wohngemeinschaft. Daneben wohnt noch eine Familie und darunter wir (aber da hab ich schon nicht mehr richtig zu gehört)." Als ich darauf hin ein großes "Hallo!" in den Raum stellte und mich dann noch etwas genauer versuchte über die Nachbarinnen zu informieren, wurde mir auf einmal bewusst, wie man sich als schwule unrasierte Schlampe in Jeans fühlen muss. Der feine Herr (mit mittlerweile einem mächtigen Fragezeichen auf der Stirn) erwiderte nämlich auf meine forsche Fragerei hin: "Ne ne, junger Mann, vergessen sie das mal besser wieder. Die jungen Mädchen sind nämlich was besseres gewohnt!" Bamm! Der hatte gesessen. Ich versuchte diese Aussage im Laufe des Nachmittags unter die Kategorie "fortschreitende Demenz im Greisenalter" abzulegen, und im Laufe des Abends mit einigen mehreren Flaschen Bier auf einer Erstsemesterparty zu ertränken. Hat nicht so ganz geklappt. Ich hab sie dann doch mit ins Bett genommen und schlecht drüber geschlafen. Egal! Mit ein wenig Politur gegen ein zerkratztes Selbstwertgefühl und verletzte Eitelkeit krieg ich dieses Gefühl schon wieder weg. Hauptsache wir kriegen die Wohnung, und der alte Sack geht nicht zu den Mädels und sagt, dass hier demnächst ein neues Pärchen einzieht.
Unheimliche Begegnung der dritten Art An einem so schön verregneten Sonntag bin ich mal wieder den ganzen Tag meinem Lieblingshobby nachgegangen. Dem Hardcore-Couching. Gepaart mit unendlich viel Motorrennsport und Spielfilmhighlights aus der Dose. Um ca. 22:00 Uhr, als gerade das Ende von "Private parts" auf VOX beginnt, klingelt es an der Tür. Ich reagiere natürlich nicht, da ich keinen Besuch erwarte, und denke, dass es für einen von meinen Schizos sein muss. Es klingelt ein zweites Mal und es tut sich immer noch nichts im Flur. Ich springe in meine Jogginghose und öffne meine Zimmertür, als mir Bernd in seinem zum Morgenmantel zurecht geschneiderten Autositzbezug entgegenkommt. Ich: "Ist das Besuch für dich?" Bernd: "Ne, ich hab schon geschlafen!" "Oh, dass tut mir aber leid" denke ich mir noch so, als er wieder ab ins Körbchen macht und ich den Türöffner betätige. Im Treppenhaus kommt mir hechelnder Weise Sonja entgegen, die Ihren Haustürschlüssel bei ihrer Mutter vergessen hat. Wir setzten uns in mein Zimmer und tauschen uns über die letzten Wochen aus. Pünktlich zu Beginn von "Dirty Harry" verabschiedet sie sich dann und ich gehe wieder in die Horizontale. Gerade als Clint Eastwood dazu ansetzt einem üblen Schurken ein paar gratis Körperöffnungen zu verpassen, räuspert es vor meiner Tür. Ich hoffe darauf, dass es Harry Callahan ist, der mich zur Rechenschaft ziehen will, oder wenigstens Freddy Kruger, der mir mit seinen Steakmessern eine neue Frisur verpasst. Pech gehabt, es ist Lars. Lars: "<Ähhchäähm (oder so in der Art)!> Albert?" Ich: "Lars?" Lars: "Hast du heute den Spül abgewaschen?" Ich schaue auf die Uhr. Es sind fünf nach halb zwölf, und ich denke mir, ob der Kerl sie noch alle hat. Eine weitere halbe Minute höre ich Lars noch unverständliches Zeug durch die Tür nuscheln. Ich: "Komm doch rein, durch 'ne geschlossene Tür unterhält es sich so schlecht!" Nichts geschieht. Er brabbelt immer noch weiter. In Unterhose und Kapuzenshirt bekleidet öffne ich meine Tür und frage ihn was er mir mitteilen wollte. In irgend einer Weise scheine ich sein Schamgefühl zu verletzten, denn ich merke, das sein Blick immer wieder in Richtung meiner Unterhose fällt und er dabei immer nervöser wird. Im folgenden bedankt er sich dann mit häufigem Räuspern bei mir, dass ich heute Nachmittag einen Teller, ein Glas, und vier Tassen von ihm mitgespült habe. Als ich ihm mitteile, dass dies für mich keine große Belastung darstellte und dass derjenige mit dem "ich spüle meinen eigenen Scheiß"-Tick in einem anderen Zimmer sitzt, verzog er sich in hektischen Bewegungen wieder auf sein Zimmer. Ungefähr eine halbe Stunde später klingelt dann auf einmal das Telefon. Ich springe dran, da es mich brennend interessiert, wer das um die Uhrzeit noch sein kann. Ich: "Hallo?" Anrufer: "Ja hallo, ich bin es, der Lars!" Ich: "??? was?" Lars: "Ich bin nur zu faul um noch mal rüber zu kommen und ich wollte dich etwas fragen!" Ich: "Dann schieß mal los (Callahan scheint wirklich Eindruck bei mir hinterlassen zu haben)!" Lars: "Ich habe mir gerade das weiße Album von den Beatles gebrannt und wenn ich es abspielen lasse, höre ich im Hintergrund immer so ein Pfeifen und brummen. Hast du 'ne Idee, was ich falsch gemacht haben könnte?" Ich: "Ich wüsste nicht, was man beim Brennen falsch machen könnte. Man legt die CD ein, geht bei NERO auf "Track speichern, unter..", speichert, zieht die Tracks ins andere Fenster, legt den Rohling ein, und ab geht die Post!" Lars: "So hab ich es auch gemacht!" Ich: "Aha, und trotzdem pfeift 's und brummt 's. Lars, mal was anderes. Du hörst nicht manchmal auch Stimmen, die dir sagen, was du tun sollst, oder?" Lars: "Wieso, ist noch jemand bei dir im Zimmer?" Ich (in den Handrücken beißend): "Nene, ist schon gut. Ich weiß jetzt so auf Anhieb auch nicht, woran es liegen könnte. Gute Nacht!" Lars: "Gute Nacht!" Was war das? Egal! Es wird, wenn ich Glück habe, eh nur noch drei Wochen dauern und der ganze Spuk ist vorbei. Dann bin ich frei, frei wie ein Vogel. Ein Vogel, der.... Ahhh! Da sind sie wieder, diese Stimmen. Huaa! Jetzt bin ich Müde, und ich gehe jetzt schlafen. Ich auch. Und ich auch.
Neue Stadt, neues Glück Am 15.11. ist es soweit. Dann packt der liebe Albi seine sieben Sachen in sein Auto und kehrt dem kleinen Provinzstädtchen mitsamt seinem WG-Geschwür in der Südstadt den Rücken zu. So muss sich glaube ich ein Soldat fühlen, der schwer verletzt von der Front nach Hause geschickt wird. Vorgestern habe ich damit begonnen, Bernd und Lars ganz behutsam darauf vorzubereiten, dass ich in nicht mehr ganz drei Wochen ausziehen werde. Und was machen die zwei, anstatt vor mir auf die Knie zu fallen und darum zu winseln, dass ich doch bleiben soll, da sie mich doch so toll finden und immer zu mir herauf geschaut haben? Keine zehn Minuten später zerpläckern sie sich darüber, wer von den beiden mein Zimmer übernimmt. Das finde ich verdammt pietätlos. Kann denn nicht erst mal der Onkel unter die Erde gebracht werden, bevor sich ums Erbe gezankt wird? Andererseits ist es wiederum auch amüsant, wie die zwei das machen. Das hat was von diesem "Risiko" Spiel. Nur dass in diesem Fall die Welt die Größe von einer Wohnung hat und die fünf Kontinente aus Zimmern bestehen. Wer am Ende dann die meisten Zimmer besitzt und die höchste Quadratmeterzahl hat darf den letzten dann vor die Tür setzten und ist Herrscher über Ratturnus. Dem kleinen schwarzen Drecksloch am Rande der Existenzstrasse. Aber noch ist es nicht so weit. Denn Sonja spielt ja auch noch mit. Und mit ihren zwei strategisch gut verteilten Zimmern, die zusammen knapp 18qm groß sind, hat sie mit ein wenig Würfelglück die Möglichkeit, noch ein wenig zu bleiben. Mir soll das natürlich nur recht sein, dass einer von den beiden das Zimmer übernimmt. Dann brauche ich mich nämlich nicht mehr um einen Nachmieter zu kümmern, und es kommt dann auch nicht auf den Tag genau drauf an, wann ich hier draußen sein muss. Nur um Sonja tut es mir ein wenig leid. Sie könnte bestimmt gut jemand neues in der Wohnung gebrauchen, mit dem sie die zukünftigen Leiden teilen kann. Jetzt bekommt sie nämlich das gesamte Chaos alleine ab.
Ist das alles? Mich wunderte es doch schon sehr, dass Lars seit gut zwei Wochen täglich zu Hause war und auch hier schlief. Gestern bekam ich dann auch prompt die Erklärung für diese Umstände. Aus Lars Zimmer hagelte es die bösen Worte nur so in den Telefonhörer und ich vermutete, dass sich am anderen Ende der Strippe seine schlechtere Hälfte befand. Wahrscheinlich hat er mal wieder aus versehen einen Frauennamen in den Mund genommen, oder zwei Sekunden zu lange auf das Covergirl der TV-Spielfilm gestarrt, sodass daraus wieder mal ein 1a Eifersuchtsdrama entstanden ist. So hörte sich das Telefongespräch auf jeden Fall aus der Ferne an. Was ich noch nicht ahnte, war, dass ich diese Psychosuppe mal wieder ganz alleine auslöffeln musste. Und Lars gab wirklich den ganzen Tag lang alles, um mich auf das heftigste zu penetrieren. Nicht dass ich ihm da eine böse Absicht unterstellen möchte, aber zum Laufe des Abends hin, fing ich doch an, die ganze Sache ein wenig persönlich zu nehmen. Gestern Morgen um 08:30 (ich musste mir nachher noch sagen lassen, dass es wegen der Zeitumstellung ja eigentlich 09:30 Uhr waren) wurde ich von dem oben genannten Telefonat auf äußerst unsanfte Art und Weise geweckt. In Anbetracht der Tatsache, dass ich erst um drei Uhr (eigentlich waren es ja vier Uhr) komatös ins Bett gefallen bin und einen Höllenkater hatte, nahm ich meine unfreiwillige Weckung doch sehr gelassen. Um das Druckgefühl hinter den Augen ein wenig einzudämmen, stellte ich mich erst einmal für zehn Minuten unter die kalte Dusche. Wieder in mein Zimmer zurückgekehrt, musste ich feststellen, dass sich zwei Anrufe auf meinem AB befanden, die vor dem Duschen noch nicht da waren. Da musste mir ja jemand etwas sehr wichtiges mitzuteilen haben. Zwei Sekunden später hörte ich Lars mir auf dem Band entgegenräuspern, dass ich doch bitte seine Telefonnummer in der ISDN-Anlage von der Endnummer 18 auf die freie Endnummer 19 umstellen soll. Wow, so löst man also im 21. Jahrhundert seine Beziehungsprobleme. Man lässt sich einfach eine neue Telefonnummer geben und schon braucht man sich mit seiner Freundin am Telefon nicht mehr zu streiten. Warum bin ich da damals eigentlich nicht drauf gekommen. Mein Gott, ich hätte mir wirklich eine Menge Stress sparen können. Ich hab seinen Wunsch natürlich gleich erfüllt, da ich mich ja erheblich für den Seelenfrieden meiner Mitbewohner verantwortlich fühle. Zwei Minuten später klingelte wieder das Telefon und wie sollte es auch anders sein; es war natürlich wieder Lars. Ohne ein Wort zu sagen knallte ich den Hörer auf die Gabel und ging rüber in sein Zimmer. Da sagte ich ihm, dass er sie ja wohl nicht mehr alle hätte und fragte ihn, was das mit dem Anrufen denn sollte, wo er doch genau wüsste, dass ich drüben sitze. Nach einem kurzen hektischen Räusper-Overkill (ähh ja, Albert, ächähm <schluck> ähh, also ich ächch <hüstel> mhhh ähh, das ist so, aächäm, usw.) teilte er mir mit, dass er ja noch nicht gewaschen sei und dass sein Zimmer noch nicht aufgeräumt wäre und dass er mich ja eigentlich auch nicht stören wollte und er deswegen angerufen hätte. Ach so! Tolle Logik. Na gut! Ich sagte ihm, seinem Wunsch nachgekommen zu sein und ging wieder auf mein Zimmer. Da ich zusätzlich zu den Kopfschmerzen auch noch scheiße aussah, legte ich mich wieder ins Bett um mit einem weiteren Schönheitsschlaf diesem Übel entgegen zu wirken. Gerade wieder eingeschlafen, weckte mich diese Mischung aus Räuspern und Klopfen an meiner Tür. Es war wieder Lars, diesmal gewaschen und angezogen, der mir nur sagen wollte, dass er mein Zimmer und meine Couchgarnitur zu 100% übernehmen wird (da hat er aber Glück gehabt! Bei 99% oder weniger hätte ich ihn auf der Stelle erschossen). Weiter wollte er dann noch wissen, wie das denn nun mit dem Telefonanschluss vonstatten gehen soll, wenn ich ausziehe. Ich bat ihn, dieses Gespräch zu vertagen, da ich mich wirklich nicht so dolle fühlte. Er machte den Eindruck, als hätte er verstanden, dass mir im Moment nicht ganz so sehr nach Kommunikation zu Mute ist und verzog sich auch recht zügig. Ich verlagerte meinen leblosen Körper nun von meinem Bett auf die Couch, um die Aufzeichnung des Champcar Rennens in Australien zu verfolgen, das ich um sechs Uhr heute Morgen aufgrund von Schlaf, verpasst hatte. Es kam aber nur die Übertragung von einem Marathonlauf aus Frankfurt und ich nickte auch gleich wieder ein. Sehr tief war der Schlaf auch diesmal nicht, denn aus dem Flur war zu vernehmen, dass Lars seinen vorgeschriebenen Putzpflichten nachging. Er benötigte über 3,5 Stunden und somit auch mindestens 250 Nervenkostümpunkte von mir, bis er fertig war. Mir fiel auf, dass er mir schon lange keinen Besuch mehr abgestattet hatte und als könnte er Gedanken lesen, hörte ich auch schon wieder: <klopfklopfklopf> "Achähm!". Ich (pampig): "Waas?" Lars: "Du Albert, wann können wir denn mal die Galerie im Flur entfernen?" Ich: "??? Was für eine Galerie bitte schön?" Lars: "Ich meine die ganzen Rechnungen am schwarzen Brett!" Die ganzen Rechnungen waren 1 Telekomrechnung, die noch nicht ganz bezahlt war und eine Stromabrechnung von den Stadtwerken. Beide hingen dort seit zwei Wochen und machten dort weder Schmutz noch Lärm. Und stinken taten sie auch nicht. Ich: "Lars, was stört dich daran, dass die beiden Rechnungen dort hängen?" Lars: "Ja <Ächäm>, also weißt du, wenn man so in den Flur herein kommt und die Rechnungen hängen da so rechts an der Wand, dann macht das nicht gerade so ein schönes Bild!" Ich: "Das ist jetzt wirklich nicht dein Ernst, oder?" Lars: "Doch schon, mich stören sie wirklich da!" Zum Flur ist zu sagen, dass es dort wirklich wie auf einer Müllhalde aussieht. Ungefähr zwei Meter von dem schwarzen Brett hängt ein potthässliches Regal in dem der Glas- und Papiermüll steht, etliche von Kartons und unsortierten Tupperdosen miteinander vermischt liegen und zwischendrin mindestens ein duzend Abtrockenhandtücher und Telefonbücher stecken. Direkt am Eingang hängt die Garderobe, an der mindestens 10 Jacken zu viel hängen und unterhalb der Garderobe ist unser Telefonequipment angebracht, welches aus der Telefondose, dem NTBA, einer Telefon/Faxweiche, der ISDN-Anlage, dem DSL-Splitter und dem DSL-Modem besteht. Alles ist natürlich auch dementsprechend verkabelt. Gegenüber hängt ein total verschmierter und zerkratzter 2*1 Meter größer Spiegel, der den optischen Eindruck der Garderobe und der Telefonanlage noch verdoppelt. Neben dem Spiegel befindet sich ein riesiger Kaffeefleck an der Wand und an der Decke sind tausend Löcher, von alten Lampenverkabelungen. Und Lars, dieser Korinten kackende, klein karierte, Erbsen zählende Riesenpedant regt sich über die zwei DIN A4 großen Zettel auf, die an der Pinnwand hängen. Ich: "Mein Gott, dann mach sie doch endlich weg, wenn sie dich so stören, aber lass mich bitte das nächste Mal mit so einem Scheiß in Ruhe!" Lars: "<Ächähäm>!" Und weg war er wieder. Hatte er es diesmal verstanden, dass ich ihn heute nicht mehr sehen wollte/konnte? Nee! Hat er nicht! So um 19:00 Uhr versuchte er mir noch seine neuste Spiele Errungenschaft auf seinem Rechner zu zeigen, die mich wirklich zu diesem Zeitpunkt nicht im geringsten interessierte, da gerade auf Sat1 "Ran" begonnen hatte und ich tausendmal lieber die nächste Stunde mit Jörg Wontorra, anstatt mit Lars, verbringen wollte. Der Kerl lässt sich einfach nicht abschütteln! Und um 21:00 klopf-hüstelte er dann das letzte mal auf meinen Testikeln herum. Lars: "<Ächähm> Albert?" Ich: "Ja, Lars! Was gibt es denn jetzt wieder Wichtiges?" Lars: "Kannst Du mir vielleicht mal bei meinem Handy helfen?" Ich: "Wenn du mir sagst, um was für ein Problem es sich genau handelt, möchte ich mein Bestes versuchen!" Lars: "Es klingelt nicht mehr!" Ich: "Hast du den Ton auf "Aus" gestellt oder so was in der Art?" Lars: "Nein, das hab ich schon alles kontrolliert, das kann es nicht sein!" Ich: "Dann
ist bestimmt der Lautsprecher für den Signalton kaputt!" Lars: "Einschicken? Dann hab ich ja gar kein Handy zum telefonieren. Ne, das mach ich nicht, dann lass ich es lieber so! Außer ich bekomme ein Ersatzhandy für die Zeit, wo meins repariert wird!" Ich: "*g* Meinst du wirklich, dass die da für jeden, der sein defektes Handy einschickt ein Ersatzhandy liegen haben?" Lars: "Bestimmt, wir leben hier doch schließlich in einem Dienstleistungsland! Und außerdem würde ich doch dann die ganze Zeit Grundgebühren bezahlen, ohne dass ich telefonieren könnte!" Ich: "Willkommen im 21. Jahrhundert, Lars. Aber lass dich morgen doch einfach mal überraschen, wenn du es beim Händler abgibst. Sei aber nicht enttäuscht, wenn du nachher doch kein Ersatztelefon bekommst!" Entsetzt über so viel Naivität hab ich dann nur noch auf den Fernseher gestarrt und nichts mehr gesagt. Eine wortlose viertel Stunde und zwei Zigaretten später hat sich Lars dann erbarmt diese schräge Situation aufzulösen indem er mit einem "Gute Nacht" Gruß mein Zimmer verlies. Mittlerweile hatten sich dann auch meine Kopfschmerzen verzogen, was aber bestimmt nicht Lars zu zuschreiben war und ich konnte endlich meinen ersehnten Mittagsschlaf halten.
Zum Thema "Dienstleistungsland" fällt mir da auch noch ganz spontan eine nette Geschichte ein. Letzte Woche war ich mit einer Bekannten im Möbelcenter "Airport" in Köln. Mir fiel auf, dass die Preise auf den Waren wild durcheinander in D-Mark und Euro ausgezeichnet waren (ein Bett sollte 299,-- Euro und ein anderes, welches direkt daneben stand 349,-- DM kosten, usw.) und man wirklich extreme Schwierigkeiten hatte einen ordentlichen Vergleich durchzuführen. Auf die freundliche Frage an die Kassiererin, was dies denn solle und die, ich glaube, berechtigte Kritik, dass das doch sehr verwirrend sei und den leichten Eindruck einer Abzocke hinterlasse, mussten wir uns ein äußerst oberlehrerhaftes: "Die Kundschaft muss halt langsam aber sicher für die Währungsumstellung sensibilisiert werden, und wenn ihnen das nicht passt, dann ist das schließlich ihr Problem!" anhören. Hey Hey Hey! Da sind wir aber dankbar. Die Möbelklitsche um die Ecke als offizielle Zwangsanstalt für Erwachsenenbildung. Das nenn ich doch mal einen fortschrittlichen Service. Und Studienrätin Monse zwiebelt einem den Preistacker über die Handknöchel wenn man mal wieder beim Eurovokabeln abfragen versagt. Was? An der Kasse zu wenig Geld mit dabei, weil Du schon wieder auf die verwirrende Auszeichnung hereingefallen bist. Zack! Und schon schaust Du wieder demütig in den Laserstrahl des Handscanners. Und danach geht es ab zur Geschäftsleitung um Zwanzigmal die Preisliste und zehnmal die AGB abzuschreiben. Wer es bis jetzt noch nicht gecheckt hat, dass wir ab kommenden Jahr eine neue Währung haben, ist es glaube ich selber schuld über den Tisch gezogen zu werden. Aber vorher noch hinzugehen und die Leute, unter dem Deckmantel der Aufklärung extra zu verwirren, ist doch wohl die absolute Krönung. Da fängt man an, Michael Douglas in "Falling Down" zu verstehen, wie er dem Koreaner den Kiosk mit einem Baseballschläger zerlegt, nur weil er sich über die Etikettierung aufregt. Wo ich schon mal bei "Falling Down" bin. Vorgestern (Samstag) Morgen um zehn Uhr überkommt mich nach sehr langer Zeit mal wieder ein unbändiger Appetit auf ein deftiges Mc Donalds Mahl. Ich fahre mit dem Auto dort hin und nach zwanzig Minuten Warterei, die Kassiererin an der kürzesten Schlange hat es wohl irgendwie noch nicht so auf die Reihe bekommen, posaune ich meine Bestellung heraus: "Ich hätte gerne einen Royal TS, einen Big Mac und..." Die Kassiererin (mit dem Finger auf die Tafel über sich zeigend): "Nein Nein Nein, bis elf Uhr gibt es nur Frühstück!" Als ich dann auf die Uhr schaute waren es exakt 10:30 Uhr und ich hatte überhaupt keinen Appetit auf ein labbriges Brötchen mit Ei oder ein überteuertes Käse/Schinken Crossaint, das ich auf einer Autobahnraststätte für die Hälfte bekommen hätte. Ich wollte zwei schöne fettige Burger zum Frühstück haben und hatte keine Lust noch eine halbe Stunde darauf zu warten. Wie gerne hätte ich jetzt die Uzi aus meinem Rucksack gezaubert um meinem Wunsch ein wenig Nachdruck zu verleihen. Aber leider war ich in keinem Film und hatte nicht "D-fence" auf meinem Nummernschild stehen, und deshalb musste ich das Etablissement wieder mit knurrendem Magen verlassen. Soviel erst einmal zum Thema Dienstleistungsland Deutschland aus meiner Sicht.
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