November 2001

06.11.2001 / 09.11.2001 / 12.11.2001 / 21.11.2001 / 26.11.2001

 

06.11.2001

Mir fehlen die Worte!

Eigentlich wollte ich heute nichts mehr schreiben. Aber so viel  Dämlichkeit aus allen Reihen kann/will und darf ich niemandem vorenthalten. Und das alles in so kurzer Zeit. Ich hab langsam das Gefühl, dass Lars und Bernd diese Seite mittlerweile entdeckt haben und ihr Allerbestes geben, um noch möglichst viele Einträge zu liefern.

Gestern Abend klopfte Bernd an meine Tür und unterbreitete mir, dass er mit der Frau unserer Wohnungsverwaltung gesprochen hätte und sie wohl sehr erstaunt schien, als er ihr erzählte, dass ich am 15. ausziehen werde. (Wow, gerade klopfte Lars an die Tür und sorgte für den nächsten Kalauer. Das geht jetzt aber wirklich Schlag auf Schlag. Dazu aber später mehr!) Darauf hin reagierte auch ich sehr überrascht und schiss Bernd erst einmal ordentlich zusammen, was ihm denn einfallen würde, dort anzurufen, bevor ich mit ihr über meinen Auszug gesprochen hatte.

Was fällt dem Kerl eigentlich ein. Er hätte mir ja wenigstens vorher bescheid sagen können. Bernd fand das auf jeden Fall ganz normal, hinter meinem Rücken meine Angelegenheiten zu klären, da ich ja schließlich "nur" noch anderthalb Wochen hier wohnen würde und sich ja sonst niemand um diese Angelegenheiten kümmert. Außerdem wollte er auch schließlich mit ihr besprechen was man mit Sonja machen könnte.

Der Typ schießt echt den Vogel ab. Jetzt heult der sich auch noch die Augen bei unserer Wohnungsverwaltung aus und versucht die Zuwendung zu finden, die er bei uns nicht bekommt. Der merkt wirklich nicht, dass die letzten Leute aus dieser WG nur wegen ihm ausgezogen sind.

Leider hat die gute Frau, als ich sie heute anrief, mich nicht auf die Zustände hier angesprochen, sonst hätte ich ihr mal den passenden Text dazu gegeben. Und der hätte sich nicht gerade gut für Bernd angehört.

Bevor ich Bernd dann die Tür vor der Nase zudrückte, erklärte er mir noch großspurig, was ich vor meinem Auszug noch alles zu erledigen hätte und welche Formulare ich noch ausfüllen muss und wem ich diese zu geben habe. Danke Onkel Bernd.

Heute lief mir Bernd in der Küche ganz kurz über den Weg. Wir tauschten gerade ein paar inhaltlose Worthülsen aus, als er sich im vorbei gehen ein Brotmesser aus dem Spülständer angelte, es sich kürz anschaute, mir unter die Nase hielt und "schmutzig" sagte. Ich zuckte kurz mit den Schultern und sagte: "Stimmt!" Danach piddelte er die eingetrockneten Essensreste mit seinen Fingernägeln ab, flitschte sie irgendwo in der Gegend herum und lutschte dann das Messer blitze blank, bevor er sich damit ein Brot schmierte. Irgendwie hatte ich ab diesem Zeitpunkt dann das kurzfristige Verlangen, mich heftig übergeben zu müssen.

Zwei Stunden später, ich war gerade damit fertig, Sonja zu erzählen, wie Bernd eine Verschwörung hinter ihrem Rücken organisiert, kommt er mir mit einer Hifi-Anlage bepackt, im Flur entgegen. Als ich ihn fragte ob sie neu sei, erklärte er mir, dass er sie für einen Topppreis (Oh, mein erstes ppp Wort ;-)) bei einem Elektronikgebrauchthändler erstanden hätte. Ich sah ein 288,-- DM Schild auf den Boxen kleben und musste ihm zugestehen, dass dies ein wirklich fairer Preis für die Anlage sei. Er berichtigte mich und sagte, dass nicht die Anlage 288,-- DM gekostet hatte, sondern nur die Boxen. Der Verstärker schlug noch einmal mit 295,-- DM und der CD-Player mit 140,-- DM zu Buche. Da musste ich wirklich kräftig loslachen. 723,-- Mark für ein Paar noname Boxen, einen, ich schätze mindestens zehn Jahre alten Pioneer Verstärker und einen fast genau so alten Phillips CD-Player, den man neu, für 99,-- Mark im Laden um die Ecke bekommt. Da hätte er mal besser jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt.

Weitere zwei Stunden später hatte er die Anlage aufgebaut und bat mich um ein kurzes Klangurteil. Wieder entfuhr mir ein kurzer Aufschrei der Belustigung, als ich sah, dass er seine neuen/gebrauchten highend Komponenten noch zusätzlich mit einem Paar Weconic Autoaufbaulautsprechern aus dem Baumarkt aufgewertet hatte. Als seinem Gesichtsausdruck zu entnehmen war, dass er meinen heiteren Gefühlsausbruch nicht einzuschätzen wusste, zeigte ich kurz auf die Plastikboxen und er erklärte, dass dies so sein müsse, da an einer seiner neuen/gebrauchten Box der Hochtöner defekt sei. Da merkte ich, dass das Schicksal manchmal auch den Richtigen trifft.

In der Zwischenzeit hatte ich auch schon einen netten Besuch von Lars, in dem er noch einige Formalitäten betreffend des Umzuges (um es mal in seinen Worten auszudrücken) mit mir zu klären hatte. Ich sagte ihm, dass ich den Transport wohl am 17. über die Bühne bringen werde und dass ihm danach mein Zimmer zur vollen Verfügung steht. Er schaute mich eine Weile mit offenem Mund an und erklärte mir danach, dass es ihm aber lieber wäre, wenn ich schon am 9. damit fertig wäre, da er für den 10. schon jemanden zu Besuch erwarte. Danach stand mein Mund eine kurze Weile offen. Falls es denn wirklich nicht anders gehen sollte, räumte er mir jedoch bis zum 17. zu bleiben ein. Jedoch müsse ich dann verstehen, dass er mir für die zwei Extratage 20;-- DM extra berechnet. Aber es wäre auch kein Problem für ihn, das Geld mit der laufenden Telefonabrechnung abzugelten. Darauf hin machte ich ihm klar, dass ich die Miete bereits bis Ende des Monats bezahlt habe, und dass höchstens ich ihm für die zwei Tage mehr, weniger Geld abhalten kann. Und wo wir gerade schon bei den Haarspaltereien waren, bat ich ihn auch noch, mir die 22,68 DM aus der aktuellen Telefonabrechnung sofort zu geben, da diese schon seit fünf Tagen fällig waren. Von der Berechnung von Verzugszinsen sah ich dann aber doch ab, obwohl ich denke, dass er bei mir nicht so großzügig gewesen wäre.

Ach so, noch zu erwähnen wäre, dass Lars seinen Besuch zu mir mal wieder per Telefonanruf auf meinen Anrufbeantworter angekündigte, und das er beim Aufstehen, um sich aus meinem Zimmer wieder zu entfernen, noch schön in meine Couch gefurzt hat, was er dann mit einem verschämten Räuspern kommentierte. Egal, es ist ja bald eh seine, und wenn ich die 200,-- Mark dafür in meiner Tasche habe, kann er von mir aus noch ganz andere Sachen damit machen.

Die letzte Aktion für heute (ich hoffe, dass es wirklich die Letzte war!) ereignete sich dann gerade, als ich bereits dabei war die anderen zwischenmenschlichen Kuriositäten zu notieren.

Lars: "<Ächähhm!>" *Klopf klopf*

Ich: "Herein!"

Lars: "Kannst du mir bitte eine Worddatei für mich ausdrucken?"

Ich: "Nee, leider ist mein Drucker im Moment kaputt (und wenn er in Ordnung wäre hätte ich es nach der Aktion von gerade auch nicht gemacht), aber frag doch mal  Bernd, ob er das nicht für dich erledigen kann!"

Lars: "Ach nein, der ist so schmierig!"
Ich (lachend): "Was???"

Lars: "Ja, Bernd sein Drucker funktioniert auch nicht mehr richtig, und immer wenn er damit druckt, ist die ganze Farbe so verwischt!"

Ich: "Ach so!"

Danach richtete Lars dann doch seinen eigenen Drucker ein und händigte mir kurze Zeit später, mit den Worten "Hier, das kannst du deinen Unterlagen beifügen!", eine Kopie des Briefes für die Wohnungsverwaltung aus, in dem seine Übernahme des Zimmers ziemlich umständlich erläutert war. Ich hab den Zettel dann auch sauber abgeheftet. Nämlich in der Mülltonne.

 

 

09.11.2001

Der Telefonmann

Als ich Gestern Abend mit Fred, in Eitorf auf dem Weg in eine Kneipe unserer Wahl war, um das Wochenende mit einem ungepflegten kühlen Mixery einzuläuten, klingelte ganz unerwartet mein Handy. Ich schaute auf das  Display, und Lars Name funkelte mir entgegen. Darauf hin steckte ich das Telefon wieder in die Tasche und tat so, als hätte ich nichts gehört. Als nach einer Minute das klingeln immer noch nicht endete, ging ich dann unvorsichtiger Weise doch noch dran.

Ich: "Hallo?"

Lars: "Hallo Albert, hast du schon bemerkt, dass unsere Telefonleitung tot ist?"

Ich: "Ja, ich weiß, ich bin heute Nachmittag auch schon nicht ins Internet gekommen, aber ich denke, dass die Sache Morgen wieder gegessen ist!"

Lars: "Hast du irgendeine Idee, was ich jetzt machen könnte?"

Ich: "Warten? Mit dem Handy telefonieren, wie du es jetzt auch schon machst? Oder musst du heute Abend noch ganz dringen ein bisschen rumsurfen, oder andere lebensnotwendige Sachen erledigen?"

Lars: "Ich muss noch ein paar ganz dringende e-mails abschicken!"

Ich: "Ach so,  stimmt ja, wichtige e-mails. Wenn man die nicht abends um sieben, sondern erst am nächsten Morgen um sieben von der Arbeit aus abschickt hat man ja heutzutage direkt eine Kugel in der Brust!"

Lars: "Hast du die Nummer von der Störungsstelle im Kopf?"

Ich: "Aber sicher doch, das ist doch meine Lieblingsnummer!"

Lars: "Und wie ist die?"

Ich (*augenroll*): "Natürlich weiß ich die Nummer nicht auswendig, aber schau doch mal im Telefonbuch nach!"

Lars: "Meinst du wirklich, dass die da drin steht. Worunter soll ich denn da nachschauen?"

Ich: "Vielleicht unter Störungsstelle? Schlag doch einfach das Telefonbuch auf, und schau auf den ersten Seiten nach, da stehen nämlich die ganzen Servicenummern. Aber ich glaube nicht, dass die Techniker um kurz nach sieben noch mal ausrücken, nur weil der Herr noch ein paar wichtige e-mails zu verschicken hat!"

Lars: "Ich versuche es trotzdem mal. Bis später!"

Ich: "Tschüss!"

 

Eine halbe Stunde später, nachdem ich Fred und seiner Ex-Freundin die Schote von gerade und noch einige andere Lars und Bernd best-offs erzählt habe, klingelt erneut der kleine elektronische Störenfried. Wie nicht anders zu erwarten, war Lars wieder am Rohr.

Lars: "Ich hab noch jemanden bei der Störungsstelle erreicht!"
Ich: "Ja und?"

Lars: "Die arbeiten in der Woche nur bis acht Uhr!"
Ich: "Ja und, kommt denn jetzt noch jemand?"

Lars: "Die arbeiten in der Woche nur bis acht Uhr!"

Ich: "Du wiederholst dich. Wir haben aber erst halb acht!"

Lars: "Ja ich weiß auch nicht, auf jeden Fall kommen sie heute nicht mehr dazu und machen das dann morgen!"

Ich: "Dann hat sich die ganze Hektik ja so richtig gelohnt. Kopf hoch Lars, das wird schon wieder! Bis später!"
Lars: "Bis dann!"

 

Heute Mittag hatte ich dann wieder einen netten Larstext auf meinem AB. Er versuchte mir mitzuteilen, dass das Telefon nun wieder funktioniert und dass dies nur ein Testanruf sei um es auszuprobieren. Da bin ich nun aber wirklich beruhigt.

 

 

12.11.2001

Es stinkt!

Heute wäre es mir wirklich sehr recht, die Schlüssel für die neue Wohnung zu erhalten. Denn es dauert nämlich bestimmt nicht mehr lange, bis die Fruchtfliegen aus der Küche in mein Zimmer übersiedeln und über meine Umzugskartons herfallen, die in meinem Zimmer schon abreisefertig bereit stehen. Zu verdenken wäre es den kleinen surrenden Nervensägen nicht, denn die Küche umgibt eine riesige Aura in der Art von einer Müllhalde im Hochsommer. Und dieser Gestank sollte wirklich jeden Gemüseaasfresser in die Flucht schlagen. Eigentlich kann man diesen Gestank gar nicht intensiv genug beschreiben. Wenn man unsere Wohnung betritt, wabbert es einem schon direkt entgegen und man verspürt sofort einen leichten Würgereiz im Hals, obwohl sich die Küche am anderen Ende des Flures befindet. Der Gestank ist so eine Mischung aus vergorenen Lebensmittelresten und altem Kaffeesatz. Wenn ich aber nicht wüsste was es genau ist, könnte ich auch denken, uns hätte ein besoffener Penner in den Flur gekotzt. Aber was will man auch anderes erwarten. Da steht der seit drei Wochen nicht geleerte und randvolle Komposteimer neben der eingeschalteten Heizung und gärt vor sich hin. Das Fenster das sich dort drüber befindet ist natürlich permanent geschlossen. Wäre ja auch noch schöner, wenn sich nur ein Hauch des edlen Duftes in der Ewigkeit verflüchtigen würde. Nein, nein, es wird schon permanent dafür gesorgt, dass der Geruch hoch komprimiert in den eigenen vier Wänden bleibt. Mittlerweile habe ich es auch aufgegeben, andauernd in die Küche zu rennen, die Heizung auszudrehen, das Fenster zu öffnen und die Türe zu schließen. Denn irgend ein kleiner Hausgnom scheint immer drauf zu warten, dass ich wieder draußen bin und macht die ganze Aktion dann wieder rückgängig. Es wäre natürlich auch ein Leichtes für mich, den Kompost zu entsorgen, aber irgendwo habe ich ja auch meinen Stolz. (Mist, gerade ruft Ramon an und richtet mir aus, dass wir die Schlüssel für Köln doch erst am Donnerstag bekommen) Ich habe nämlich keine Lust mehr, hier den Diener zu spielen, nur weil die anderen Figuren es nicht auf die Reihe bekommen, den Müll mitzunehmen, wenn sie auf dem Weg zu ihrer Therapie oder zum Doppelkopf sind.

Den größten Hammer habe ich bekommen, als ich am Samstag Morgen sah, wie Lars mit seiner neuen Bekannten (Aha, deswegen hatte er letzte Woche bestimmt diese nette Auseinandersetzung mit ES am Telefon) am Küchentisch saß und sich seelenruhig ein halbes Pfund Tomatenmark aus der Tube auf sein Schinkenbrot quetschte, Kaffee trank, dabei grinste und so tat als würde er überhaupt nichts riechen. Erst regte er sich eine Woche vorher darüber auf, dass die Pinnwand mit den zwei Rechnungen so unordentlich aussähe, und dann macht er mit seinem neuen Aufriss Picknick auf der Deponie. Mahlzeit!

Vielleicht hab ich ja auch nur was an der Nase und bin nur ein wenig sensibel. Manchmal wünsche ich mir bei solchen Sachen einen Schiedsrichter herbei, der sofort entscheidet, wer von uns einen an der Waffel hat. Oder vielleicht sollte ich einfach nur mal richtig abschalten und mir einen guten Schluck von dem Hochprozentigen gönnen, der sich mittlerweile auf dem Boden des Komposteimers abgesetzt hat. Stinkt zwar wie Scheiße und macht impotent, aber haut  bestimmt gut in die Birne.

Prost!

 

21.11.2001

Telekommunikation = Kopf Rotation

Letzten Samstag hatte ich bis auf die DSL-Geräte mit Hilfe von Fred alles aus der alten in die neue Wohnung geschafft. Bei dem DSL-Kram war ich in der Annahme, dass sie nur geliehen wären und ich sie nach der Kündigung des Vertrages wieder bei der Telekom abliefern müsste. Daher habe ich sie in einem Postkarton auf dem Regal  unter dem schwarzen Brett im Flur stehen lassen, um sie heute, wenn ich mit Lars zur margentafarbenen Höllentruppe aus Bonn  stoße, um meinen Telefonanschluss auf seinen Namen überschreiben zu lassen, abgeben zu können. 

Da ich immer noch im Besitz des Haustürschlüssels war, Lars aber erst um 18:00 Uhr Feierabend hatte und es bei meinem Eintreffen erst fünf Uhr waren bin ich unerlaubter Weise in die Wohnung eingedrungen, obwohl meine Aufenthalterlaubnis letzte Woche schon abgelaufen ist. Beim Blick auf das Regal im Flur müsste ich feststellen, dass das Päckchen samt Modem, Splitter und Kabeln verschwunden war.

Lars konnte mir eine Stunde später auch nicht weiter helfen. Er sagte mir, dass er es wohl letzte Woche dort stehen sah, es aber auf gar keinen Fall angerührt hatte. Bernd und Sonja waren im Moment nicht anwesend um sie zu fragen, also warf ich einen kurzen Blick in ihre Zimmer, um mir einen kurzen Überblick zu verschaffen. Fehlanzeige. Weit und breit kein Packet zu sehen.

Auf dem Weg zur Telekom (Man muss dazu sagen, dass Lars durch diese Aktion 50,04 DM Ummeldekosten sparte und ich 15,--DM Fahrtkosten plus 4 Stunden Zeitaufwand dafür aufbrachte.) fragte mich Lars im Auto, wer den von uns beiden gleich das Ticket für das Parkhaus bezahlen soll? Darauf hin fragte ich ihn, ob er mit seinem Dachschaden nicht mal einen Facharzt für Gehirnerkrankungen aufsuchen möchte. Natürlich verstand er diese Äußerung nicht und schaute mich nur hohl an. Daraufhin erklärte ich ihm meine Reaktion und er antwortete nur, das Fragen ja schließlich nichts kosten würde.

Unterwegs machten wir noch einige Stopps bei diversen Elektronikfachhändlern, die ihn eine Menge Geld und mich reichlich Zeit und Nerven kosteten, bevor wir dann letzt endlich im T-Punkt eintrudelten. Dieser Aufenthalt dauerte dann wiederum über eine Stunde, da Lars sich drei bis fünfmal versichern lies, dass das Telefon bei der Umstellung auf einen neuen Rechnungsnehmer nicht abgeschaltet werden muss (weil wegen seiner wichtigen E-mails usw.), wann denn endlich ein DSL-Anschluss auf seiner Arbeit möglich sei und er dann noch seinen Unmut über den Telefonausfall von vor zwei Wochen ausgiebig schilderte.

Als alles geklärt war und man uns um kurz vor acht zur Tür heraus kehrte, lud mich Lars noch auf eine Tasse Kaffee in seinem Lieblingsbistro ein, welches aber Gott sei Dank wegen Geschäftsaufgabe schon seit längerem geschlossen hatte.

Um ca. viertel vor neun kam ich dann in meinem schönen neuen und ruhigen zu Hause an und schlug mir erst einmal zehn Minuten mit der Bratpfanne vor die Leisten, um mich von den gerade erlebten Schmerzen abzulenken. (Das war natürlich gelogen!) Aber die Frage, wo denn das Packet ist, beschäftigte mich noch weiter.

 

26.11.2001

Telekommunikation = Kopf Rotation Teil 2

Seit letzten Mittwoch versuche ich nun telefonisch aus meiner alten WG heraus zu kitzeln, wo den nun das hochgeschwindigkeits Internetzubehör abgeblieben ist. Jeder hat es auf dem Regal liegen gesehen, aber keiner hat auch nur die geringste Ahnung wo es hingegangen ist. Vielleicht hat es ja die Schnauze, vom im Flur rum liegen, voll gehabt und ist mit einem alten 56k Modem und einer Fritzkarte auf einem Kurztrip nach Holland unterwegs um sich etwas "High-Speed" (huar, ein tolles Wortspiel, was?) zu besorgen? Da ich dies aber für äußerst unwahrscheinlich hielt und ich immer noch davon ausging, dass irgend jemand meiner alten Pappenheimer etwas mit dem verschwinden zu tun hatte, rief ich für heute eine Krisenversammlung um 18:00 Uhr aus. Also, rein ins Auto und wieder auf meine Kosten ab nach Bonn. In Bonn angekommen versammelte sich dann die komplette Mannschaft (außer Sonja, die war noch unterwegs) im Flur und starrte für eine halbe Minute stillschweigend auf das leere Regal.

Ich: "Also Leute, irgendwer muss das Päckchen von diesem Ort an einen anderen gelegt haben. Wo ist es?"

Bernd: "Keine Ahnung! Ich hab es nicht weggenommen. Du kannst gerne in meinem Zimmer und meinen Schränken nachschauen. Da ist nichts!"

Lars: "Du Albert, die Telekom hat die Leitung nach dem Ummelden doch für drei Tage stillgelegt, obwohl sie versprochen hatten, es nicht zu tun !"

Ich (stinke sauer): " Das ist mir jetzt verdammt noch mal scheiß egal, was die Telekom mit deinem dämlichen Telefonanschluss gemacht hat. Ich will jetzt das Päckchen mit den Geräten wieder haben, und irgend einer von euch muss es haben, da es bei mir nicht ist. Der Kram kostet bestimmt über 300,-- DM und ich habe nicht die geringste Lust, die Kohle wegen einem von euch zu bezahlen. Lars, hast du es nicht doch vielleicht während deiner Zimmer Umräumaktion zufällig mit eingepackt? Oder hat vielleicht jemand gedacht es handelt sich um Altpapier und hat es in den Müll geschmissen?"

Lars: "Ich hab es nicht. Basta! Aber vielleicht hast du es ja bei deinem Umzug mitgenommen?"

Ich: "Neiiin! Hab ich nicht. Das hätte ich gemerkt, da ich insgesamt nur sieben Kartons für den Umzug benötigt habe und das Paket was mir fehlt war nicht dabei. Sogar mein Kumpel, der mir beim Umzug mitgeholfen hat ist sich hundert Prozent sicher, das das Päckchen noch dort stand, als wir gefahren sind. Oder hat vielleicht rein zufälliger Weise jemand von euch vorletzte Woche Besucht gehabt, der dachte, dass ihm das Päckchen gehörte?"

Bernd (hektisch auf Lars zeigend): "Der Lars, ja das stimmt, der hat letzte Woche Besuch gehabt. (Geht in die Küche und schaut im Geschirrschrank und im Backofen nach) Ich hatte die ganze Zeit keinen Besuch, aber der Lars der hatte! (Aus der Küche rufend)"

Lars: "Das muss ich mir jetzt nicht weiter anhören!" (Dreht sich um und geht)

Auf dem Weg in sein Zimmer bückte er sich zur ISDN-Anlage herunter und stöpselte Sonjas Telefonkabel wieder ein, was lose auf dem Boden herumlag.

Lars: "Bernd, hast du das Telefonkabel aus der Eumex gezogen?"

Bernd: "Ja, Sonjas Telefon hat letzte Woche immer so häufig geläutet und da sie die ganze Zeit nicht da war, hab ich es raus gezogen, damit ich meine Ruhe habe!"

Ich: "Ach, deswegen hab ich sie nie erreicht!"

Bernd: "Sie war ja eh nicht da!"

Ich: "Super, das kann man auch so gut durch das Telefon sehen!"

Lars: "Und außerdem ist es ja auch möglich, dass sie einen Anrufbeantworter mit angeschlossen hat!"

Danach drehten dann beide gleichzeitig ab, gingen wieder auf ihre Zimmer und ließen mich ohne Päckchen wie einen Idioten im Flur stehen. Ich rang dann circa zwei Minuten um Fassung, als Sonja zur Haustür herein kam. Sie versicherte mir, dass sie mit dem Verschwinden des Pakets nichts zu tun hatte, da sie die letzten zwei Wochen kein einziges Mal in der Wohnung war und sie heute auch nur kam, da ich sie darum gebeten hatte (Als ich sie letzte Woche in der WG nicht erreichte, erfragte ich über zehn Umwege bei ihrer Mutter die Nummer ihres Freundes und traf sie dann dort auch an).

Während des Gesprächs mit ihr, kam Bernd dann noch einmal zu seiner Tür hinaus, drückte Sonja wortlos ein Blatt Papier in die Hand und verschwand dann genau so schnell wieder in seinem Stall.

Sie las den Zettel, lachte kurz auf und zerriss ihn danach. Auf dem Zettel stand wohl, was Bernd und Lars so alles an Sonja störte, und dass sie doch auch in nächster Zeit ausziehen solle, usw. Sie versicherte mir das dies wohl auch demnächst geschehen werde, da sie sich mittlerweile nicht mehr im geringsten sicher hier fühlen würde und dass eine Schulfreundin wohl auch auf der Suche nach einem WG Zimmer sei, mit der sie dann wohl zusammen zieht. Ich bot ihr an, sie wieder zu ihrem Freund zurück zu fahren, da sie ja schließlich nur wegen mir in die WG gekommen sei. Sie nahm dieses Angebot dankend an und musste nur noch ein paar Unterlagen für die Schule heraus suchen. Währenddessen stieß ich im Flur noch einige laute Flüche aus, drohte damit die WG wegen Unterschlagung anzuzeigen (Ja ja, ich weiß, was für ein Schwachsinn!) und bat sie darum mir noch viel Spaß beim Mülltonnen durchwühlen zu wünschen (ich war immer noch der festen Überzeugung, dass einer das Päckchen weggeschmissen hat) . Es kam dann aber zu keinen weiteren Reaktion der beiden netten Herren. Als ich dann so zehn Minuten lang, draußen in klirrender Kälte, in dem randvollen Papiercontainer herum gewühlt hatte und das Feuerzeug, das ich zur Beleuchtung nutzte so langsam aber sicher über meine Finger lief, kam auf einmal Bernd um die Ecke gedackelt. Er bot mir an, mit seiner Taschenlampe Licht zu spenden. Grunzend und ohne Dank, da ich immer noch auf 180 wahr, nahm ich seine Hilfe an. Als ich dann weitere zehn Minuten später resignierte und nassgeschwitzt zu meinem Auto ging, bot er mir zusätzlich noch an, das Geld, das ich für die Anlage bezahlen muss, auf unbestimmte Zeit vorzustrecken. Da ich immer noch nicht wusste, wer das Paket verschwinden lies, hörte sich dieses Angebot für mich in diesem Moment so zynisch an, dass ich Bernd nur fragte, ob er mich jetzt verarschen wolle und ihm sagte, dass ich auf sein Geld nicht angewiesen sei und er es sich rektal einmassieren könne.

Als ich danach Sonja zu Axel gefahren hatte und ich mich auf dem Weg nach Hause etwas beruhigte, plagten mich dann die ersten Gewissensbisse. Was man in seiner Wut doch so alles für fiese Sachen sagen kann, die man eigentlich gar nicht so meint. Es war bestimmt einfach nur ganz nett von Bernd gemeint, mir das Geld zu leihen, und ich nahm mir ganz fest vor, mich in den nächsten Tagen bei ihm zu entschuldigen.