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Mai 2001
Das Festtagsessen Heute ist wieder Schlemmen vom Allerfeinsten angesagt. Ich stehe gerade in der Küche, um mir heißes Wasser für ein paar Nudeln zu machen, da kommt Bernd herein, lässt den Gefrierschrank auffliegen und hält mir einen Satz Aldi-Frühlingsrollen unter die Nase. Bernd: "Na Albert, kennst du die?" Ich: "Klar, die sind lecker....." Bernd reißt die Mikrowelle auf, legt zwei Kameraden hinein und beginnt sie, zwei Minuten bei 1000 Watt, kreisen zu lassen. (Vor meiner WG-Zeit hätte ich nie gedacht, dass sich die Existenz eines Menschen auf die Erfindung der Mikrowelle begründen kann) Ich: "...., wenn sie richtig zubereitet werden!" Nachdem er die vegetarischen Teigrollen bis knapp 10 Grad über den Gefrierpunkt bestrahlt hat nimmt er sich noch einen Fruchtquark aus dem Kühlschrank und setzt sich an den Tisch. Ich zeige auf den Quark und frage: "Na, noch einen lecker Nachtisch dabei?" Bernd: "Nee, den benutze ich als Dipp für die Frühlingsrollen!" Ich: " Du willst doch nicht wirklich ...." Bernd: "Quatsch, das war doch nur ein Spaß!" Da hätte er mich fast mit meinen eigenen Waffen geschlagen. Aber zuzutrauen wäre es ihm gewesen.
Die Geburtstagspartyvorbereitung Ich glaube, Bernd versucht langsam seine ironische Ader freizulegen. Manchmal scheint er doch für ein paar klasse Gags gut zu sein. Als ich ihn heute Morgen darauf ansprach ob er morgen früh arbeiten müsse und er verneinte, offenbarte ich ihm, dass ich einige Leute eingeladen hätte um in meinen Geburtstag hinein zu feiern. Er sagte, dass dies kein Problem sei (Ich hoffe nicht, dass da eine Frau mit im Spiel ist, sonst gehen mir bald noch die Geschichten aus). Ich sagte, dass es etwas später und lauter werden könnte und dass ich auch den Flur und die Küche mitbenutzen werde, um alle Leute unter zu bekommen. Er schaute mich darauf hin fragend an und sagte nur: "Mach was du willst Albert und fühl dich ganz wie zu Hause!" Ich war dann doch sehr dankbar für diese Großzügigkeit und sagte ihm deshalb nicht, dass ich das schon seit anderthalb Jahren versuche.
Wie du mir, so...! Ich schaue aus dem Küchenfenster und sehe, wie bei schönstem Sonnenschein an Bernds Wagen volles Programm das Licht brennt. Eigentlich könnte man ihm ja bescheid sagen, wenn mir da bloß nicht gerade diese dumme Geschichte vom letzten Oktober eingefallen wäre. Schade für Bernd, dass ich ausgerechnet bei solchen Aktionen ein Erinnerungsvermögen wie ein Dickhäuter habe und ein wenig nachtragend bin (was ich doch für eine alte Mimose bin ;-)). Ne, ne, ne, was wird mir das gleich einen Spaß machen, ihm zu sagen, dass es ja schließlich nicht mein Auto sei, an dem das Licht gebrannt hat, nachdem ich ihn, wenn er Schweiß gebadet wieder hoch kommt, gefragt habe ob sein Auto denn noch angesprungen sei und er hoffentlich fragt, warum ich ihm denn nicht was gesagt habe. Kann es sein, dass hier so langsam aber sicher mein Charakter verdirbt, und dass ich die ganzen schlechten Eigenschaften meiner Mitbewohner übernehme? Ich werde später bestimmt mal so ein verbitterter alter Sack, der sich über Hundekacke am Gehsteig oder über Falschparker, oder so aufregt. Mhh, egal. Hauptsache es macht Spaß <g>.
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