Juni 2001

08.06.2001 / 23.06.2001 / 27.06.2001

 

08.06.2001

Nicht von dieser Welt (Nix für Verfechter von Fäkalgeschichten!)

Letzte Woche Samstag hätte ich mal wieder laut unserem hoch offiziellen aber noch nicht notariell beurkundeten Putzplan meinen Putzdienst verrichten müssen. Das heißt, Küche, Klo, Bad und Treppenhaus inklusive allen Gebrauchsgegenständen und sanitären Anlagen feucht aus- bzw. abwischen und den Flur saugen. Es dauert bei mir ca. 1,5 Stunden und ich hasse es wie Zahnschmerzen. An diesem Tag war dies aber leider nicht möglich, da ich zu der Zeit für fünf Tage in Pfingsten war. Davor und danach hatte ich noch jeweils zwei Nachtdienste und war dem entsprechend geschlaucht. Also hab ich mir vorgenommen, diese höchst unangenehme und alle acht Wochen anfallende Pflicht am heutigen Tag zu erledigen.

Vor Dienstantritt wollte ich mich nur noch mal kurz erleichtern und betrat die dafür vorgesehene Einrichtung. Ich öffnete den Deckel und mir grinste wie so oft, freudestrahlend der Morgenstuhl von Bernd aus dem Tiefspüler entgegen. Bernds Stuhlgang ist einfach unverkennbar! Zu mindestens der sichtbare Rest, der immer aus dem Siphon lugt. Das erkennbare ca. 10 cm lange Ende ist gerade, hat einen Außendurchmesser von etwa 5-7 cm und ist von fester Konsistenz. Ist ja klar, wenn man immer nur das selbe isst, kann auch immer nur das selbe hinten rauskommen. Und immer wieder falle ich auf den Anblick herein und denke mir, welchem Idioten ist jetzt schon wieder der Dildo in die Schüssel gefallen..

Mir ging wie jedes mal durch den Kopf, wie es denn nur möglich sein kann, dass es ein 35 jähriger Mensch nicht schafft seine tägliche Notdurft in die modernen Kanalisationsanlagen zu entsenden und presste den Druckspüler für einige Sekunden, um den braunen Schelm mit einem Hektoliter Wasser zu seinen Artgenossen zu schicken.

Komisch, sonst klappte das immer auf Anhieb, aber diesmal schien ich auf einen ziemlich anhänglichen Berndrückstand (quasi ein Bern(d)stein <g>) gestoßen zu sein. Er bewegte sich keinen Millimeter von der Stelle und machte auch nicht den Eindruck als hätte er es in nächster Zeit vor. Daraufhin schmiss ich eine gute Bahn Toilettenpapier oben drauf und wiederholte den Vorgang mit dem gleichen Ergebnis.

Einen Kubikmeter Wasser später und am Ende meines Lateins beschloss ich nun, alles so zu hinterlassen, wie ich es vorgefunden hatte und den Putzdienst und meine Notdurft am nächsten Tag zu verrichten. Ich sah es nämlich überhaupt nicht ein, das Kindermädchen für Bernd zu spielen und sein Töpfchen zu reinigen, geschweige denn meinen Saft mit seinen Exkrementen zu vermischen. Jerk! Alleine die Vorstellung lässt in mir schon einen bitteren Würgereiz hochkommen.

Nachmittags versuchte ich, nachdem der Druck auf meiner Blase immer größer wurde, in der Hoffnung, dass der Verwesungsprozess langsam eingesetzt hatte, noch einmal den Kameraden in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Wieder ohne Erfolg. Ich glaube ich wohne mit dem einzigen Menschen auf der Welt zusammen, der es schafft, aus Apfelstrudel, Fertiggerichten und schwarzen Tee und einem noch nie gesehenen Stoffwechsel, Spannbeton herzustellen. Entweder sollte ich Bernd an ein Hochbauunternehmen verkaufen oder demnächst Rohrfrei in seine Mahlzeiten mischen.

Abends war das Feld dann Gott sei Dank geräumt. Ich weiß nicht wer es geschafft hat, uns von diesem Monster zu befreien, aber auf jeden Fall hab ich Heute keinem mehr von uns die Hand gegeben.

 

23.06.2001

Korrekt ist korrekt und bleibt auch korrekt!

Als ich gerade mit meinem Kumpel Fred (der schon immer mal meine Mitbewohner sehen wollte) auf dem Weg zu einem Konzert bin, läuft uns ein Müll wegbringender und putzender Lars im Treppenhaus über den Flur. Wir halten einen kurzen Smalltalk über das Wetter und Gott und die Welt, als er mir ganz plötzlich und unverhofft und vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen wieder sagt, wie zufrieden er mit seinem Wagen ist. (Vor einem guten Jahr habe ich ihm für DM 300,-- einen ziemlich gut erhaltenen weißen Suzuki Swift, Bj. 88, bei dem der TÜV abgelaufen war, über einem Arbeitskollegen vermittelt. Er machte ihn sich für ein paar Mark wieder fit und erzählt mir nun bei jeder sich bietenden Gelegenheit, wie toll dieses Auto doch noch läuft und wie zuverlässig es doch ist. Mittlerweile tat er dies bestimmt schon 20 Mal.)

Heute war also wieder einer von diesen berühmten Tagen und Fred durfte live dabei sein.

Lars: "Du Albert, mit dem Wagen hab ich letztes Jahr echt einen Glücksgriff getan!"

Ich: "Ja, Lars, dass hast du wahrhaftig (Fred muss schon leicht schmunzeln), aber in absehbarer Zeit würde ich mal was gegen den Rostteufel unternehmen, der sich da an deiner Beifahrertür breit macht, sonst hast du nicht mehr all zu lange Spaß an diesem schönen Wagen.

Lars: "Ja, ja, das hab ich mir auch schon überlegt. Ich müsste mal über die Fahrgestellnummer beim Hersteller heraus bekommen was der Wagen für eine Farbe hat!"

Fred und ich schauen uns an und denken uns im Stillen grinsend: "Weiß?"

Wir wissen natürlich was Lars mit seiner Aussage meint, aber ist das nicht, wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, wenn man sich für so einen alten Haufen die Farbe bei einem Lackspezialisten zusammen mischen lässt? Vor allen Dingen für eine Stelle, die man ohne sich auf den Boden zu legen überhaupt nicht sehen kann.

Ich sage Lars, dass es ein Döschen "Hamarit" für DM 8,95  aus dem Baumarkt doch auch tun würde (Und denke mir schmunzelnd, als mir direkt wieder die Story vom vorletzten Monat einfällt: "Oder vielleicht auch ein Fläschchen Tipp-Ex?"), als Fred schon mal, ohne sich von Lars zu verabschieden, weiter läuft, da er schon kurz vorm platzen ist.

Lars meint noch, dass er, wenn er etwas macht, es auch anständig machen will und wendet sich wieder seinen Tätigkeiten zu.

Aber bitte doch nicht bei einem Auto, was 13 Jahre alt ist, und wo der Lack wahrscheinlich mehr kosten wird als der Wagen selber wert ist.

Fred und ich können uns beim weiter laufen auf jeden Fall vor lachen kaum noch halten.

 

27.06.2001

Es rappelt im Karton

Nachdem ich mir am Sonntagmorgen fast den Fuß an einem herausfallenden Stück Gefrorenem aus dem Gefrierschrank gebrochen hatte,  (manche Leute verstehen immer noch nicht, dass man in eine tiefgekühlte Aufbewahrungsmöglichkeit ,wo nur 40 Liter Lebensmittel rein passen, keine 50 Liter Eis, Pizza, Apfelstrudel, etc. hinein pressbar sind, ohne dass sie explodiert) und mir letzten Freitag, bevor Lars geputzt hatte, fast faustgroße Herpesblasen aus sämtlichen Poren meiner Oberlippe wuchsen, als mir beim öffnen der Mülltonnen der Schimmelpilz um den Hals rankte (ein gewisser Herr, der auch durch seine eklatante Fehlernährung bekannt ist, hat immer wieder die Angewohnheit, seinen Abfall so in die Tonne zu pressen, dass die Plastiktüte, die die Entsorgung erleichtern sollte, mit dem Unrat zusammen hinein rutscht und jeden weiteren Müll einfach oben drauf schmeißt, und sich dann wochenlang geschickt um das herunterbringen drückt, bis es in der Küche nach Halde stinkt), entschloss ich mich, Bernd mal wieder auf die katastrophalen Umstände in der Küche aufmerksam zu machen.

In einem günstigen Moment, als auch gerade Sonja in der Küche steht (es ist immer gut, einen Zeugen bei Bernds Gesprächen dabei zu haben, da nämlich im nachhinein gerne mal die Tatsachen verdreht werden, oder so getan wird als hätte das Gespräch niemals stattgefunden), schnappe ich mir Bernd und lege auch gleich los.

Ich: "Sag mal Bernd, kannst du deine Tee und Kaffeefilter nicht mal in die Tüte vom Komposteimer, statt daneben schmeißen? Das würde die Entsorgung ungemein erleichtern!"

Bernd (er rennt zum Eimer reißt ihn auf und sagt schnippig): "Der Kaffeefilter liegt nicht neben, sondern auf der Tüte!"

Ich (schüttel zusammen mit Sonja den geneigten Kopf): "Toll, auf der Tüte, dann ist das natürlich was anderes. (Ich greife in den Eimer neben die Tüte und fische einen Satz Teebeutel heraus) Ich möchte ja nicht kleinkariert erscheinen, aber in der Schule wurde mir damals dafür das Wort <daneben> beigebracht."

Bernd: "Außerdem sollte dir das doch egal sein. Ich bin doch eh der einzige hier, der den Müll regelmäßig einmal die Woche runter bringt!"

Ich stoße einen überspitzten Lacher aus (zwischen meiner Putzaktion kurz nach Pfingsten und der von Lars am  letzten Wochenende wurde der Müll kein einziges Mal entsorgt. Davor hat Bernd es sogar geschafft den Müll so um die drei Wochen zu horten, bis es Sonja zuviel wurde und sie ihn weg brachte).

Ich: "Sicher Bernd, sicher! Wir wissen ja alle, wie du um unser Wohl besorgt bist. Jetzt mal zu was anderem. Ich würde gerne mal wieder etwas in das Gefrierfach legen, aber mir ist aufgefallen, dass das ziemlich blockiert ist!"

Bernd (springt in die andere Seite der Küche und reißt das Gefrierfach auf. Dabei fällt ihm fast ein Baguette auf den Fuß.): "Mir gehört das  nicht alles! Mir sind bloß die Baguettes und der Spinat...!"

Ich falle ihm ins Wort: "...Sag aber bitte jetzt nicht, dass noch andere Leute hier in der Wohnung wohnen, sonst platzt mir nämlich auf der Stelle der Sack! Uns sind die Sachen ganz sicher auch nicht und irgend jemand muss sie ja hier gesammelt haben, oder meinst du etwa, dass hier die Heinzelmänchen Nachts heimlich rein gekommen sind und uns den Gefrierschrank voll gemacht haben?"

Bernd sichtlich eingeschnappt und immer noch uneinsichtig, äußert trotzig: "Mir gehören die Sachen auf jeden Fall auch nicht!"

Ich (provozierend): "Du brauchst nicht gleich anfangen zu heulen, Bernd! Ach übrigens, du wolltest doch letzte Woche das Glas wegbringen, hast du gesagt! Aber das ist ja jetzt auch egal, da es Lars ja schon gemacht hat!"

Bernd: "Warum soll ich auch immer das Glas wegbringen, Sonja kann ja auch mal gehen!"

Sonja: "Gehen? Du weist doch wie weit der Container wegsteht, und du hast doch ein Auto!"

Bernd: "Was hat das denn mit dem Auto zu tun? Ich packe mir das Glas immer in den Rucksack und bringe es mit dem Fahrrad weg!"

Sonja und ich müssen bei dem Wort <immer>  mal wieder laut lachen, da Bernd in den letzten Monaten kein einziges mal diesen Job erledigt hat, und vor allen Dingen hat er es mit Rucksack und Fahrrad nicht getan.

Ich zu Sonja: "Der feine Herr will sich wohl sein neues Auto nicht beschmutzen, (zu Bernd) oder?"

Bernd (immer lauter werdend): "Ich glaube du bist doch bloß neidig auf meinen neuen Wagen!"

Ich (zynisch lachend): "Auf dein was?"

Bernd: "Warum lachst du denn so blöd, wenn du mich überhaupt nicht verstanden hast!"

Ich: "Glaub mir, ich hab dich schon verstanden, Bernd, aber ein gelber Krankenrollstuhl fällt bei mir nicht unter die Kategorie <Auto>!"

Bernd: "Willst du mich jetzt verarschen, oder was?"

Ich: "Wann immer es geht, Bernd, wann immer es geht!"

Ich glaube, ich lasse es jetzt mal gut sein und hebe mir die gespülten Sachen mit den Essensresten und die Frage, wann er denn nun endlich ausziehen will, für ein nächstes Mal auf, bevor ich gleich noch ein Messer im Bauch habe. Denn so langsam verliert Bernds Gesicht seine Farbe und das weiße in seinen Augen wird immer deutlicher sichtbar.

Und ich glaube, dass man in so einem Moment lieber einem scharfen Pitbull mit bloßer Hand einen faulen Zahn ziehen kann, als Bernd weiter auf seine Fehler aufmerksam zu machen.

Ich bin mal gespannt, was er in den nächsten Tagen als Vergeltung für dieses Gespräch im Programm hat, da er die Sache ganz sicher nicht auf sich beruhen lassen kann. Vielleicht einen Pferdekopf in eine Zeitung vor meiner Tür oder wieder einen halben Meter Wurst in der Toilette? Ich bin wirklich mal gespannt.

Nach diesem Gespräch musste ich auf jeden Fall einmal mehr wieder feststellen, dass es lustiger und unterhaltsamer ist, mit einem Käsehobel zu onanieren, als sich mit Bernd zu unterhalten.