August 2001

13.08.2001 / 20.08.2001 / 23.08.2001 / 26.08.2001

 

13.08.2001

Nicht mehr ganz Dicht im Kopf

Langsam aber sicher glaube ich, dass einen der alltägliche Wahnsinn enorm abhärten kann. Aber vielleicht lag es ja auch daran, dass ich noch recht schlaftrunken war, als mir der heutige Dialog mit Lars widerfuhr  und ich nicht sofort darüber lachen konnte. Erst nachdem ich mir heute Abend auf Pro 7 den "Quatsch Comedy Club" angeschaut hatte und ich feststellte, dass ich für die dargebotenen Kalauer nicht mehr das müdeste Arschrunzeln übrig hatte, ja sogar bei Ingo Appelt wegschalten musste, um mir nicht eine Gagvergiftung zu zuziehen und aus dem Grund mein Mittagessen wieder zu erbrechen, ließ ich die heutige Realsatire mit Lars noch einmal Revue passieren.

Lars weckte mich so gegen vier Uhr mit ausgiebigen Klopfgeräuschen und einem herzhaften Räuspern aus meiner unverdienten Siesta. Er konfrontierte mich spontan mit einigen unwichtigen Banalitäten (Putzen, Wetter, ect.). Im Gegenzug präsentierte ich ihm die Telefonabrechnung Version 8.01, die er auch gleich mit einem passenden Barbetrag beglich. So weit, so gut. Da ich jetzt schon einmal wach war und ich in dem kleinen Gespräch mit ihm die Möglichkeit sah, eine kleine Geschichte für das Tagebuch heraus zu schlagen, das schon länger keine Eintragungen mehr erlebt hatte, erzählte ich ihm, dass ich morgen mit meinem Motorrad zum TÜV müsse, aber Bedenken hätte, eine frische Plakette zu erlangen. Ich muss zugeben, dass diese Geschichte nicht mit den Abenteuern von Indiana Jones zu vergleichen war, aber Lars zeigte sich trotzdem sehr interessiert und stieg mit vollem Elan in das Gespräch ein. Er fragte mich, warum ich denn diese Bedenken hätte und ich zählte ihm sämtliche Mängel auf. Zum Beispiel sind da ein ausgeschlagenes Lenkkopflager, ein Licht, das mir in der Nacht den Weg in den Himmel erleuchtet, ein von innen verrosteter Auspuff, der sich wie ein kettenrauchender Asthmakranker, der in eine leere Mülltonne hustet, anhört und ein, trotz frischer Dichtungen, undichter Motor.

Für den undichten Motor hatte Lars sofort eine Lösung für mich parat, deren Lachwert für mich bis grade verschlossen blieb. Er bot mir an, aus dem Keller eine Tube mit Silikon zu holen. Als ich ihm sagte, dass das für einen Motorradmotor wohl doch eher ungeeignet ist, schaute er mich mit seinem unwiderstehlichsten Fragezeichengesicht an und konterte, dass das Silikon aber Hitzebeständig sei. Touché!

Den Motor mit Silikon abdichten. Das ist echt der Hammer. Mein Mopped ist doch keine Badewanne. Oder wollte er mir nur unterschwellig damit sagen, dass es wie ein Scheißhaus aussieht? Dann kann ich mir ja gleich noch ein paar bunte Fliesen zwischen die Speichen klemmen und einen Siphon an den Auspuff schrauben bevor ich zum TÜV fahre. Und wenn ich dann mit einem Pümpel anstatt einem Helm auf dem Kopf  vor dem Prüfer stehe, meine Zulassung zerreiße, während ich ich gleichzeitig dabei einnässe, sage ich ihm, dass ich einen Flachspühlvergaser eingebaut habe und gerne noch ein paar Chromarmaturen eingetragen bekommen möchte.

Albi, komm wieder runter!!

Es ist jetzt 01:30 Uhr und ich glaube, dass ich besser schlafen gehe, bevor ich noch in ein Schreibdelirium falle und gleich nackig und laut schreiend auf der Strasse vom Notarzt aufgegriffen werden.

Dann kann ich den TÜV nämlich morgen erst recht vergessen.

Gute Nacht!

 

20.08.2001

Fear of the dark

Jetzt fange ich an, mich ernsthaft zu fragen, ob ich meine Zimmertür Nachts nicht besser abschließen sollte.

Als ich heute Nachmittag im Flur ein lautes Türenknallen und ein schreiendes "Lass mich endlich in Ruhe, du Idiot" oder so ähnlich, von Sonja gehört hatte, machte ich mir noch keine ernsthaften Gedanken. Als sich aber um 23:30 Uhr folgende Situation abspielte, bekam ich es ein wenig mit der Angst zu tun.

Es klopft an meiner Tür.

Ich: "Ja bitte?"

Bernd (kommt mit einem Morgenmantel bekleidet, der an 70er Jahre Autositzbezüge erinnert, in mein Zimmer): "Du, Albert, entschuldige bitte die Störung zu so später Stunde, aber hast du gerade Wäsche gewaschen?"

Ich: "Ja, heute Mittag, so um 13:00 Uhr!"

Bernd: "Nein, die meine ich nicht. Ich meine die Maschine, die gerade so um elf lief!"

Ich: "Da lief doch überhaupt keine Maschine!"
Bernd: "Doch, die Sonja hat gerade noch Wäsche gewaschen! Ich möchte endlich schlafen und ich lasse mir das von ihr nicht mehr gefallen. Könntest du mir das bitte bezeugen, dass sie um die Uhrzeit noch Wäsche macht?"

Ich: "Was soll ich dir bezeugen? Es lief doch überhaupt keine Wäsche. Und außerdem hat Sonja noch nie hier Wäsche gewaschen. Die nimmt sie immer mit zu ihrer Mutter. (spöttisch) Willst du sie jetzt etwa bei der Polizei anzeigen oder was?"

Bernd: "Mhh, ich weiß nicht, vielleicht?"

Ich: "Ich denke aber mal, dass du das besser mit Sonja alleine ausmachst und mich aus dem Spiel lässt, okay?"

Sonja kommt total verschlafen aus ihrem Schlafzimmer: "So Bernd, jetzt reicht es aber. Was hast du jetzt wieder für ein Problem?"

Bernd : "Kannst du mir sagen, warum du um diese Uhrzeit noch Wäsche machst?"

Sonja: "Tickst du noch ganz sauber? Ich hab hier noch nie Wäsche gewaschen."

Bernd: "Doch, hast du wohl. Und gerade lief auch wieder eine Maschine!"

Ich gehe zur Waschmaschine um nach zu sehen, wessen Wäsche sich in ihr befindet. und stelle fest, dass sie leer und ausgeschaltet ist.

Ich: "Bernd? Komm mal. Die Maschine ist doch leer und ausgestellt!"

Er schaut hinein und wendet sich direkt wieder an Sonja.

Bernd: "Dann hast du sie halt gerade schnell ausgeräumt!"

Sonja: "Sag mal, spinnst du? Ich liege seit über eine Stunde im Bett und versuche zu schlafen. Und außerdem, wo sollte ich denn die Wäsche auf bewaren?"

Bernd: "Na auf einem Wäschetrockner!"

Sonja reißt ihre Zimmertüren auf um Bernd zu zeigen, dass sich in ihren Zimmern kein Wäschetrockner geschweige denn nasse Wäsche befindet.

Bernd: "Dann hast du die Wäsche halt irgend wo versteckt!"

Sonja: "Vielleicht hab ich sie ja direkt aus der Maschine, nass in meinen Schrank gestopft!"

Bernd :"Wird wohl so sein!"

Sonja: "Jetzt mach aber mal `nen Punkt, sonst passiert hier gleich noch was!"

Bernd (1,93 m) baut sich in seinem weinroten Nickimorgenmantel vor Sonja (1,59 m) auf: "Was soll denn passieren?"

Sonja auf Zehenspitzen vor Bernd: "Du hast sie echt nicht mehr alle!"

Ich (fassungslos lachend): "Sag mal Bernd, was fährst du hier eigentlich für einen Film? Hast du grad `nen Albtraum gehabt, oder was?"

Bernd (völlig in Rage): "Und außerdem soll sie aufhören, immer so mit den Türen zu knallen. Das lasse ich mir nicht mehr bieten!"

Sonja: "Das muss gerade der richtige sagen!"

Ich nicke bestätigend mit dem Kopf.

Bernd :" Weißt du eigentlich wie laut das immer ist?"

Er geht zu Sonjas Wohnzimmertür, reißt sie auf und knallt sie volles Programm wieder zu. Uns wehen fast die Haare vom Kopf.

Sonja schüttelt verzweifelt mit dem Kopf und macht mit der flachen Hand eine Scheibenwischerbewegung in meine Richtung. Ich zucke mit den Schultern und kann auch nur vor Ratlosigkeit mit dem Kopf schütteln.

Bernd (auf dem Weg in sein Zimmer): "Ich lass mir das nicht länger bieten. Das wird ein Nachspiel haben!" *TÜRKNALL*

Sonja und ich stehen auf dem Flur, schütteln immer noch unsere Köpfe und müssen grinsen.

Ich :"Und was war das jetzt?"

Sonja: "Keine Ahnung, wahrscheinlich die Fortsetzung von heute Nachmittag!"

Sie erzählt mir, dass Bernd schon Nachmittags über dieses und jenes am rum nölen war, und sie deswegen vor Wut  geschrieen und die Türen geknallt hat. Weiter erzählt sie, dass Bernd sie Gestern, nachdem sie sechs Wochen nicht hier war, ohne ein "Hallo" oder "Na, schöne Ferien gehabt?", gefragt hat, ob sie nicht in nächster Zeit ausziehen möchte, da eine Bekannte von ihm Interesse an ihren Zimmern hätte.

Aha, da weht also der Wind her!

Sie sagte ihm wohl darauf hin, dass sie wirklich schon ernsthaft mit dem Gedanken gespielt hätte, wegen ihm auszuziehen, sich aber auf keinen Fall raus ekeln lassen wird.

Zum Schluss einigten Sonja und ich uns noch darauf, dass Bernd anscheinend wirklich einen an der Waffel hat, und gingen dann leicht verwirrt auf unsere Zimmer.

Ich glaube, dass es nun langsam aber sicher Zeit wird, eine "Anti Bernd Kampagne" zu starten, bevor einer von uns noch irgend wann auf seiner Matratze geschnürt und geknebelt auf dem Sperrmüll liegt.

Vielleicht sollte man mal die NATO informieren, damit die mal eine Blauhelmtruppe vorbei schicken, oder wir beauftragen besser noch einen Exorzisten, oder John Sinclair, der Bernd mit ein paar Silberkugeln den Garaus macht, oder es ihm ordentlich mit einem großen Kreuz oder einem Eichenpflock besorgt.

Auf jeden Fall wird es nun Zeit zu handeln!

 

23.08.2001

Urlaub

So, die nächsten 2 Wochen wird es hier nix Neues zu lesen geben, da ich nämlich morgen mit einer Gruppe von 24 Menschen mit geistiger Behinderung in Ferienfreizeit fahre. Das heißt, vierzehn Tage lang, prickelnde, niveau- und anspruchsvolle Gespräche und Diskussionen führen, ohne an den geistigen Durchfall dieser WG denken zu müssen.

ciaosen!

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26.08.2001

Holland in Not

Als ich gerade im strahlenden Sonnenschein vor unserem Ferienbungalow sitze, Mittagspause mache und mir von einem Arbeitskollegen den Nudelsalat und ein verkohltes Würstchen vom Vortag anreichen lasse, klingelt mein Handy. In voller Erwartung, eine reizende junge Frau, die einige Tage vorher kennen gelernt habe, am anderen Ende der Leitung anzutreffen, gehe ich voller Erwartung an den Apparat.

Ich: "Einen wunderschönen Tag wünsche ich! Hier spricht Albert, was kann ich tun?"

"Hallo Albert, hier ist Bernd. Ich muss mal ganz dringend mit dir sprechen! Hast du vielleicht etwas Zeit?"

Ich: "Ach du Scheiße!"

Bernd: "Was?"

Ich: "Nix! Ich hab nur jemand anderen am Telefon erwartet."

Bernd: "Du, hör mal, es geht um Sonja, ich will nicht mehr, dass sie bei uns wohnt!"

Ich: "Bernd, hat das Gespräch nicht noch ein paar Tage Zeit? Ich sitze nämlich hier gerade von der Arbeit aus in Holland fest!"

Bernd: "Ich würde das aber jetzt gerne ganz schnell mit dir klären. Ich werde einen Brief aufsetzten, indem steht, dass wir nicht mehr mir Sonja zusammen wohnen wollen. Lars und du müsst dann auch noch unterschreiben und dann können wir uns einen neuen Mitbewohner suchen."

Ich: "Waaaas?"

Bernd: "Ja, du hast richtig gehört. Mit Lars hab ich auch schon gesprochen. Er ist damit einverstanden!"

Ich: "Pass mal auf Bernd. Ich befinde mich gerade im Ausland und bezahle deshalb 1,69 DM/min aus meiner eigenen Tasche für ein Telefonat, was ich überhaupt nicht führen will. In anderthalb Wochen bin ich wieder zu Hause. Dann können wir ja weiter schauen. Aber eins kann ich dir jetzt schon sagen. Unterschreiben werde ich überhaupt nichts!"

Bernd: "Warum denn nicht?"

Ich: "Weil ich mich mit Sonja eigentlich recht gut verstehe. So, und jetzt muss ich weiter arbeiten!"

Bernd:" Also bist du dann in einer Woche wieder da!"

Ich: "Neiiin, in anderthalb Wochen. In zehn Tagen um ganz genau zu sein. Machs gut Bernd und ich wünsch mir noch einen schönen Urlaub!"

Bernd: "Ähh, ach so, ja. Also dann bis nächste Woche!"

Ich lege auf und renne schreiend zu meinen Kollegen zurück.

Auf die Frage, was denn los sei, erkläre ich meinen Kollegen kurz Bernd und erzähle flugs den kleinen Vorfall, der sich gerade und im Vorfeld ereignet hat.

Ich sehe in ein paar erstaunte und entsetzte Gesichter und ernte natürlich wieder die Frage, warum ich denn dort nicht ausziehe.

Ich kann es beim besten Willen nicht mehr erklären.