Mai 2000

05.05.2000 / 17.05.2000

 

05.05.2000

Mein Geburtstag

An meinem 28. Geburtstag  trudelten so langsam aber sicher die ersten Leute ein. Unter anderem saßen hier schon meine ehemalige Mitbewohnerin Katja, meine Ex-Freundin und zwei Kumpels. Wir unterhielten uns recht nett, als die Haustür aufging und Bernd herein kam. Er schaute in mein Zimmer als ob dort ein Kongress der Klingonen abgehalten wurde. Ich nahm ihm seine Unbeholfenheit und Angst ab, indem ich ihm sagte, dass ich nur meinen Geburtstag feiere und dass kein Grund zur Beunruhigung bestehe. Ich bot ihm anstandshalber an, sich mit dazu zu gesellen und sich ein Bier zu angeln. Er nahm mein Angebot dann nach anfänglicher Zurückhaltung auch dankend an und setzte sich mit in die Runde. Nach einer zehnminütigen, zu meiner Überraschung, recht unkomplizierten Unterhaltung über Gott und die Welt sprangt Bernd auf einmal mitten im Satz wie von der Tarantel gestochen auf, krallte sich seine halbvolle Bierflasche und verschwand laut Tür knallend auf sein Zimmer. Wir alle dachten, dass er nur kurz  mal was holt, um es uns zu zeigen, aber er wurde für den Rest des Tages nicht mehr gesichtet. Es ist wirklich nichts unangenehmes vorgefallen. Die überraschten Gesichter meiner Gäste kann man sich wohl bildlich vorstellen. Am nächsten Tag gab er mir dann dankend die leere Bierflasche wieder und machte den Anschein als sein nichts gewesen.

 

17.05.2000

Der Tod ist oft sehr nah

Heute wäre mir fast der Kopf von meinen Mitbewohnern in die laufende Waschmaschine gehalten worden.

Da lag  ich so um die Mittagszeit, nach dem ich mich in eine Fressnarkose versetzt habe (Heute gab es mal eine leckere Wagner Italotorte mit Flipper drauf), auf der Couch und hielt mein Verdauungsschläfchen, als ich plötzlich Bernd und Lars vor meiner Tür randalieren hörte. Ich schaute raus um zu sehen was los war, da fielen sie schon wütend über mich her und texteten mir gleichzeitig eine fette Rede an die Stirn. Ich versuchte aus dem Wortschwall eine für mich sinnvolle Übersetzung heraus zu hören, als mir plötzlich bewusst wurde, dass ich wohl, nachdem ich die Pizza aus dem Backofen gezogen und das Gas abgedreht hatte, den selbigen beim rausgehen wohl wieder, aus versehen, mit meinem Bein  angestellt haben muss.

Normalerweise ist das auch kein Problem, da sich an der Düse, wo das Gas ausströmt, ein Schutzschalter befindet, der bei sofortiger Abkühlung bewirkt, das ohne Flamme kein Gas mehr ausströmen kann. Halt normalerweise. Aber was ist hier schon normal? Der Herd hatte seine Herkunft, glaube ich, im späten Barock und der Schutzschalter wurde vor langer Zeit bestimmt mal für eine Kiste Felskrone auf dem Trödelmarkt verkauft. Die Schutzfunktion konnte halt nicht einschreiten und so strömte für eine halbe Stunde das Gas in der Küche fröhlich vor sich hin.

Irgendwann ist dann einer von meinen beiden Mitpatienten auf den Gasgeruch aufmerksam geworden, da die Tür zur Küche aufstand. Zum Glück war mir beim Backen so warm, dass ich vorher das Fenster geöffnet hatte und das meiste Gas schon auf einem Besuch in die Stadt war. Ich konnte nun verstehen warum die Beiden eine leicht Krise bekommen hatten. Da waren wir dem Sensenmann noch mal knapp von der Schippe gesprungen.

Aber ich muss zugeben, dass ich seit dem Augenblick Angst habe. Im Erdgeschoss wohnt nämlich eine alte Dame mit ordentlich Kalkablagerungen in den Hirnwindungen. Sie bekommt zwar "Essen auf Rädern" und ich hoffe, dass ihre Enkel ihren Gasherd schon vor langer Zeit weggenommen oder verplombt haben. Denn wenn das nicht der Fall sein sollte und der Herd den selben Fehler wie unserer besitzt, könnte es  sein, dass sich durch ihre fortgeschrittene Demenz, gepaart mit einer kleinen Teeorgie für ihren Bridgeclub, mein Zimmer bald in einem anderen Stadtteil wieder auffindet.