März 2000

03.03.2000 / 16.03.2000 / 20.03.2000

 

03.03.2000

Der Tortenheber

Am Anfang des Jahres führten wir eine Haushaltskasse ein, in die jeder jeden Monat zehn Mark schmeißen sollte, um so Dinge zu kaufen, die jeder von uns benötigt, wie Zucker, Salz, Spüli, Klopapier, blablabla...

Heute Mittag stand Bernd dann vor mir und sagte, dass er sich Geld aus der Haushaltskasse genommen hätte, um eine Besorgung für uns zu machen. Ich sagte, dass sie dafür ja auch schließlich gedacht sein und fragte ganz nebensächlich, was er denn gekauft hätte. 

Er antwortete: "Einen Tortenheber!"

*Schluck*

Einen Tortenheber?

Eiinennn Tooortenheebberrr!!

Für 14,95 in der Metall- und Haushaltswarenapotheke um die Ecke. Er zeigte mir die Quittung und da hatte ich es schwarz auf weiß.

Wozu um alles in der Welt brauchen wir einen Tortenheber?? Ich habe in der ganzen Zeit seit ich hier wohne noch keine einzige Torte geschweige denn einen Kuchen oder ähnliches hier gesehen. Als ich ihn darauf ansprach, sagte er mir das er sich im Aldi einen tiefgekühlten Apfelstrudel gekauft hätte und dass er ihn dafür unbedingt benötige. Und was ich mich denn außerdem so aufregen würde, so einen Tortenheber könne man doch immer mal gebrauchen. 

Wofür denn bitte schön? Zum Spachteln oder zum Verputzen? Wir haben hier doch keine Konditorei! Ich habe mein ganzes Leben noch nie einen Tortenheber gebraucht. 

14,95 Mark!

Dafür hätte ich einen Monat die Grundgebühr für mein Handy zahlen oder 4 Mal ins Schwimmbad oder 4 Apfelstrudel kaufen können. 

Für 14,95 muss eine alte Frau lange stricken. Ja!

Und was macht Bernd? Verpulvert die ganze Kohle für einen Tortenheber. Warum hat er nicht gleich noch einen Satz Fischmesser oder eine elektrische Parmesankäsereibe dazu gekauft.

Einen Tortenheber!

Sagt mir bitte, wenn ich zu kleinlich sein sollte, aber ist ein Tortenheber für eine WG nicht noch sinnloser als ein elektrisch betriebener Wellensittich, den man zu dem richtigen in den Käfig setzt, damit der sich nicht langweilen muss?

Nach dieser Tat habe ich dann auch sofort die Zahlungen in die Haushaltskasse eingestellt. Lieber bezahle ich jetzt das Sonnenblumenöl und die Binden aus meiner eigenen Tasche, als das wir demnächst einen "Rocket-chef" aus dem Teleshop hier stehen haben. 

Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

 

 

16.03.2000

Türen streichen

Lars stellte am Nachmittag mal so beiläufig fest, dass unsere Zimmertüren ziemlich schmutzig aussahen und einen neuen Anstrich verkraften könnten. Ich stimmte ihm vehement zu, und wir beschlossen spontan, uns an die Arbeit zu machen. Lars ging in den Keller und fand auch sofort das passende Handwerkzeug.

Wir arbeiteten leise bis spät in die Nacht, als Bernd auf einmal aus seinem Zimmer heraus schaute und sich über unsere Tätigkeit um diese Uhrzeit erboste. Wir deuteten mal dezent darauf hin, dass wir von seiner Hilfe auch nicht abgeneigt wären und dass wir zu dritt auch schon lange alles fertig gestrichen hätten. Er drehte sich unbeeindruckt um und knallte wortlos die Tür zu.

Am nächsten Tag ging uns bei der vorletzten Tür das Schleifpapier und der Lack aus. Eine neue Rolle war auch fällig und dem Pinsel standen schon die Haare zu Berge. Wir machten uns in den Baumarkt auf und besorgten für circa 40,-- DM neues Material. Danach strichen wir die vorletzte Tür zu Ende, als Bernd wieder aus seinem Zimmer lugte und fragte, wie lange der Krach denn noch dauern würde. Wir überhörten die Frage einfach und sagten ihm, dass wir gerne unsere 10,-- DM Anteil vom ihm für das Material hätten. Er erwiderte darauf hin, dass er nicht bezahlen werde, da er ja schließlich noch nicht zu gestimmt hätte, dass die Türen neu gestrichen werden, und verschwand in sein Zimmer. Lars und ich regten uns höllisch über Bernd auf, räumten den Dreck weg, beschlossen natürlich Bernds Tür nicht zu streichen und verschwanden auf unsere Zimmer um uns abzureagieren.

Alle sieben Türen, die gestrichen wurden, sahen aus wie neu. Bernds Tür erschien jetzt dagegen wie ein dreckiges Loch. Mich störte das nicht, Bernd störte das auch nicht (hat ihn ja schließlich 10,-- DM gespart), nur so einem Berufspedanten wie Lars bereitete dieser Zustand eine Woche lang schlaflose Nächte.

Irgendwann saß Lars dann streichend vor Bernds Tür und Bernd stand daneben und schaute ihm zu. Als ich ihn darauf ansprach, sagte Lars, dass er diesen Anblick nicht mehr länger hätte ertragen können und Bernd darum gebeten hat, seine Tür streichen zu dürfen, natürlich aus seiner eigenen Tasche. Bernd hatte darauf hin auch zugestimmt. Aber natürlich nur unter der Bedingung, dass es auch schnell geht.

 

20.03.2000

Das Wokset

Vor gut vier Wochen war Bernds heißersehntes Wokset "Ken Hom" für DM 99,-- (+ 7,95 Versandkosten) angekommen und Heute muss ich das erste Mal Bilanz ziehen. Ich bitte meine Ausdrucksweise vielmals zu entschuldigen, aber es muss sein!

Was für eine Scheiße!

Nachdem Bernd den Wok mit einem Zettel (auf ihm stand, dass sein Geschirr doch bitte nach Gebrauch ordentlich gewaschen werden soll, obwohl meines Wissens nie ein anderer als er diesen Wok benutzt hat) zusammen auf dem Küchentisch gestellt hatte, schaute ich mir den Burschen mal etwas genauer an. Ich hob den Deckel ab und sah etwas krustiges rötliches, was aber keine Lebensmittelreste, wie Bernd sie auch mal gerne nach dem Spülen an den Tellern kleben lässt, waren, sondern stinknormaler Rost. Der Wok besteht aus popeligem einfach lackiertem Blech (ne ne, keine Teflonbeschichtung oder Emaille), wo sich innerhalb von wenigen Wochen die Farbe löst und an den blanken Stellen Rost ansetzt. Ich glaube, die haben das Ding tatsächlich aus einem alten R4 gebaut. Aber dafür hat er ja nur 99,-- Mark gekostet (+ 7,95 Versandkosten) und das Messerset war ja schließlich auch mit dabei.

Das Messerset!

Ein noch viel größerer Schrott als der Wok. Ja, noch größer! Ich würde mal sagen die Herstellkosten für die Messer belaufen sich so ungefähr auf die Hälfte von dem Holzblock, ich meine natürlich Kunststoffblock, der mit für die Messer dabei war. Die haben sich noch nicht mal die Mühe gemacht, den Grat an den Plastikgriffen, der wohl beim zusammenschweißen entstanden ist, zu entfernen. Der Grat soll wohl die Sollbruchstelle anzeigen, an der die Klinge aus dem Griff bricht, wenn man zu feste drauf drückt. So ist es mir zumindest vor einigen Tagen passiert. Einen Chevy-Motorblock kann man mit den Dingern in Sekunden zerlegen, aber bei einem ein paar Wochen alten, mit Marzipan gefüllten, Weihnachtsstollen hört es dann auf.

Als ich Bernd dann auf dieses Fiasko ansprach, gab er dann auch kleinlaut zu, dass man ihn über den Tisch gezogen hätte und dass er hoffe, dass der Wischmopp mit auspressbaren Schwamm für 49,-- DM (+ 7,95 Versandkosten) , der, mit dem man einen ganzen Swimmingpool trocken legen kann, nicht so billig verarbeitet wäre. Denn den hat er sich nämlich jetzt bestellt. Bei Teleshop!