Juni 2000

23.06.2000

Katjas Geburtstag

Als Katja damals hier einzog, erwähnte sie einmal ganz beiläufig, dass ihr Diskettenlaufwerk am PC nicht mehr richtig funktioniert. Lars versprach ihr, sich das Problem irgendwann einmal anzuschauen.

Ungefähr einen Monat später feierte sie hier ihren 29. Geburtstag, zu dem sie cirka zehn Freunde und Verwandte und uns Mitbewohner einlud.  Als ihre Bekannten alle eingetroffen waren, bat sie Lars und mich (Bernd befand sich auf der Arbeit, Gott sei Dank) mit hinzu, um mit ihr gemeinsam anzustoßen. Ich folgte ihrer Aufforderung prompt, da ich halt ein recht geselliges Kerlchen bin, und Lars meinte noch etwas an seinem Rechner herum doktorn zu müssen.

Als wir nach einer halben Stunde in Katjas Zimmer in einem kleinen Kreis auf dem Boden saßen (aus Platzgründen fehlten die elementaren Sitzmöglichkeiten), uns sehr nett unterhielten und lachten, platzte plötzlich Lars ins Zimmer hinein und verschwand Wort und Grußlos unter Ihrem Computertisch. Es schauten nur noch die langen Beine heraus. Es dauerte ungefähr eine viertel Stunde (in der  in dieser Runde aufgrund des befremdenden Anblicks auch nicht all zu viel geredet wurde), bis Lars wieder auftauchte und uns allen, wie Dr. Brinkmann, das frisch entbundene Diskettenlaufwerk präsentierte. Genau so still wie er gekommen war verschwand er auch wieder. Man kann sich vorstellen, dass das Hallo in der versammelten Runde natürlich sehr groß war.

Als die Situation von uns allen verdaut war, liefen danach die Gespräche wie gehabt weiter.

Eine halbe Stunde später sprang die Tür wieder auf, Lars herein und verkündete der versammelten Mannschaft mit stolz geschwellter Brust eine fünfminütige! Fehlerdiagnose. Die Reaktion aller Beteiligten fiel natürlich äußerst emotionslos aus. Das verunsicherte Lars aber nicht in geringster Weise. Flugs verschwand er wieder unter den Tisch und schaffte es diesmal in einer Rekordzeit von 10 Minuten, das Laufwerk wieder zum Leben zu erwecken. Nun stellten sich, auch Aufgrund des erhöhten Alkoholkonsums, die ersten Kichergeräusche ein, die von Lars aber nicht war genommen wurden. Stolz wie Oskar verschwand er auch nun wieder leise aus dem Zimmer. Ohne Gruß oder Gratulation.

Er muss wohl vergessen haben, dass es sich hier um eine Geburtstagsfeier handelte.

Danach bat Katja ihre Leute und mich, mit in eine Bar zu kommen, da sie den Rest ihres Geburtstages wohl ohne weitere Peinlichkeiten verbringen wollte. Ich lehnte dankend ab, da ich den anderen an diesem Abend nicht mehr in die Augen hätte schauen können. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich noch irgendwie für meine Mitbewohner verantwortlich gefühlt. Wie blöd von mir, im Nachhinein gesehen!

Auf die Situation von mir angesprochen, reagierte Lars äußerst gelassen: "Ich hab ihr doch versprochen das Laufwerk zu reparieren!"