August 2000

07.08.2000 / 12.08.2000

 

07.08.2000

Die Nachmieterin

Nachdem für Katja endgültig feststand, dass sie ausziehen musste, machten wir uns an die Arbeit gaben eine Wohnungsanzeige in der Annonce auf. Es meldeten sich verschiedene Leute, die mehr oder weniger Interesse für unsere WG zeigten. Das größte Interesse zeigte aber Sonja, mit der Bernd und ich länger gesprochen hatten (Lars verzog sich immer ganz schnell auf sein Zimmer, wenn sich eine Frau angemeldet hatte. Auch auf mehrmalige Aufforderung hin, sich vorstellen zu kommen, vertröstete er uns immer mit fadenscheinigen Ausreden). Wir fanden sie ganz sympathisch und sagten ihr, dass wir uns in einer Woche bei ihr melden würden. Als wir Lars verkündeten, dass wir wohl eine neue Nachmieterin für Katja gefunden hätten, kam er auch auf den Flur raus und es entstand folgende Diskussion.

Bernd: "Du Lars, Sonja hat großes Interesse hier bei uns einzuziehen. Sie ist zwar etwas jünger, scheint aber ganz nett zu sein!"

Ich: "Da kann ich Bernd mal ausnahmsweise zustimmen!"

Lars: "Sagt mal, können wir nicht lieber einen Mann hier einziehen lassen?"

Bernd und ich (gleichzeitig schon böses ahnend): "Wieso??"

Lars: "Meine Freundin will nicht, dass hier wieder eine Frau einzieht. Und ich habe keine Lust auf Stress mit ihr. Sie regt sich dann bestimmt wieder auf und das will ich nicht!"

Ich: "Jetzt geht es aber gleich los. Hat deine Freundin jetzt auch schon mit zu bestimmen? Wer wohnt denn eigentlich hier, du oder deine Freundin? Ich glaub es ja nicht, wie alt bist du eigentlich Lars?"

Bernd: "Außerdem können wir ja auch abstimmen. Das würde dann zwei zu eins Stimmen ergeben. Wir leben ja schließlich in einer Demokratie!"

Lars: "Ja aber, meine Freundin denkt immer ich hätte was mit den Frauen, weil ich ja schließlich mit ihnen zusammen in einer Wohnung lebe!"

Ich: "Lars, hast du nicht vorher mit ihr für längere Zeit zusammen gelebt?!"

Lars: "Ja, wieso?"

Ich: "Warum bist du dann in eine WG gezogen und nicht bei ihr geblieben?"

Lars: "Weil das nicht mehr so gut funktioniert hat. Wir hatten immer so oft  Streit gehabt!"

Ich: "Und nachdem du ausgezogen bist lässt du dir immer noch alles vorschreiben, oder was?"

Lars: "Was soll ich denn machen? Ich will doch nicht mit ihr streiten!"

Ich: "Lass dir was einfallen, bist schließlich alt genug!"

Wir gaben Lars dann noch eine Woche Zeit, sich selber um einen männlichen Nachmieter zu kümmern. Er bekam es natürlich nicht gebacken, und so zieht nun am 15. diesen Monats Sonja bei uns ein.

 

 

12.08.2000

Der alte Wagen

Es klopft an meiner Tür. Das vorherige verklemmte Räuspern sagt mir, dass Lars ein anliegen hat. Ich bitte ihn herein.

Lars: "Sag mal Albert, was soll ich denn mit meinem Wagen machen? Der ist jetzt schon einen Monat über den TÜV Termin und die Bremsen sind so kaputt, dass ich ihn bestimmt nicht mehr durch bekommen werde!"

Ich: "Versuch ihn doch privat über die Annonce zu verkaufen!"

Lars: "Mach ich doch schon seit 6 Wochen. Es hat sich bloß noch keiner gemeldet!"

Ich: "Für wie viel hast du ihn denn rein gesetzt?"

Lars: "900,-- Mark!"

(Man muss dazu sagen, dass es sich um einen 12 Jahre alten, absolut schrottreifen, fahruntüchtigen Seat Marbella ohne Kat mit 150.000 km handelt, der von vorne bis hinten verrostet ist.)

Ich: "Waass? 900,-- Mark? Kein Wunder dass sich da noch keiner gemeldet hat! Soviel würdest du ja gerade noch  für einen intakten Wagen mit 'nem Jahr TÜV bekommen. Versuchs mal mit <150,-- Mark an Bastler zu verkaufen> oder <zu verschenken>, sonst darfst du nächsten Monat 150,-- Mark oder noch mehr an einen Schrotthändler zahlen!"

Lars: "150,-- Mark? Das kann ich doch nicht machen! Den fahr ich jetzt schon so lange und der hat mich noch nie im Stich gelassen, und überhaupt, schau dir den Wagen doch mal an wie viel Technik da so drin steckt, der ganze Motor und was sich da sonst noch so alles bewegt, da sind 150,-- Mark doch viel zu wenig für!"

Ich: "Das ist den Leuten, die die Annonce lesen, aber egal, Lars! Lieber 150,-- Mark in der Tasche als noch mal so viel drauf zahlen zu müssen!"

Lars: "Für 150,--Mark bekommt man ja noch nicht mal ein ordentliches Paar Schuhe, geschweige denn ein anderes so hoch technisches Gerät, wie ein Auto, für!"

Ich (augenverdrehend): "Alles klar Lars, ich wünsche dir noch viel Erfolg!"

Vier Wochen später hat er es doch tatsächlich noch geschafft, den Haufen für 200,-- Mark zu verticken. Da fällt mir sofort wieder das Sprichwort von den geistig minderbemittelten Agrarwirtschaftern und ihren großen stärkehaltigen Erdfrüchten ein.